Die Oberösterreichische Landesausstellung 2021

22.12.2020
Kultur

Von 24. April bis 7. November 2021 findet die Oberösterreichische Landesausstellung in Steyr statt. Die geschichtsträchtige Eisenstadt ist als Veranstaltungsort prädestiniert, da sich in ihr viele kulturelle, historische und wissenschaftliche Aspekte so manch anderer Landesausstellung in Oberösterreich vereinen.

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Steyr erzählt über Arbeit, Wohlstand und Macht: Von 24. April bis 7. November 2021 findet die Oberösterreichische Landesausstellung in Steyr statt. Die geschichtsträchtige Eisenstadt ist als Veranstaltungsort prädestiniert, da sich in ihr viele kulturelle, historische und wissenschaftliche Aspekte so manch anderer Landesausstellung in Oberösterreich vereinen.

Das ist vermutlich auch der Grund, warum sie auch schon 1898, 1980, 1987 sowie 1998 (gemeinsam mit weiteren Gemeinden) als Veranstaltungsort der Landesausstellung neben den Einwohnern viele Gäste, Touristen, Kunst- und Kulturinteressierte empfing.

Oberösterreichische Landesausstellung
Ignatz Rode: Ansicht der Stadt Steyr, Lithographie, 18. Jahrhundert

Daniela Limberger, Leiterin des Steyrer Stadtmarketings, erhofft sich viele neue Impulse der Landesausstellung. Sie sei nicht nur wertvoll für die Stadt, sondern für die gesamte Region, weil sie die Bevölkerung motiviere sich zu engagieren, sich einzubringen und einen Ausdruck des Selbstverständnisses darstelle.

„Wir haben ein Begleitprogramm parallel zu den großen Ausstellungen geplant und einen Aufruf gestartet, Projekte sowie Aktionen für 2021 vorzuschlagen. 60 Einreichungen und Eigeninitiativen sind bis Ende Oktober eingegangen. Nun kommen das Sichten und Sortieren und die Auswahl.

Viele dieser Projekte können gefördert werden. Wir hoffen für die Menschen auf eine unbelastete Zeit ohne Pandemie- und Lockdown-Bestimmungen, damit sich das Lebensgefühl als kultureller Ausdruck auch entfalten kann.

Die Menschen merken, wie es sich anfühlt, analog, also ‚offline‘ zu sein. Sie benötigen den atmosphärischen, realen und sozialen Erlebnischarakter!“, erklärt Limberger.

„Nach 2021 soll die Oberösterreichische Landesausstellung letztmalig in dieser Form stattfinden“, fügt sie noch hinzu und es bleibt offen wie es denn weitergeht.

Oberösterreichische Landesausstellung
Blick auf Steyr mit der Pfarrkirche Steyr St. Michael und dem Bürgerspital. Foto: Siggy Nowak

„Eine Stadt erzählt die Geschichte unserer Gesellschaft“

Steyr versteht sich traditionsbedingt als Arbeiter- und Handelsstadt. Die knapp 40.000 Einwohner leben in und mit diesem Selbstverständnis.

Als Industriestandort, Stadt der Manufakturen und des Handels war man hier immer von Arbeit, Produktion und Dienstleistungen abhängig, errang aber damit auch Wohlstand und Einfluss.

So heißt das Landesausstellungsmotto auf der vor kurzem freigeschalteten Website:

„Eine Stadt erzählt die Geschichte unserer Gesellschaft: Aufstieg und Krise, Kampf und Rebellion, großer Luxus und kleine Freuden, Industrialisierung und Innovation, Gegenwart und Zukunft.

Die OÖ. Landesausstellung ARBEIT WOHLSTAND MACHT zeigt 2021 die Entwicklung unserer Gesellschaft vom Mittelalter bis in die Gegenwart am Beispiel der Stadt Steyr.

An den drei Standorten Museum Arbeitswelt, Innerberger Stadel und Schloss Lamberg erzählt die Ausstellung bewegende Geschichten von Arbeitern, Bürgern und Adeligen, die bis heute die Stadt und die Mentalität der Menschen prägen.

Oberösterreichische Landesausstellung
Stadtansicht Steyr auf den Stadtplatz. © Stadtmarketing Steyr. Foto: Christian Stummer

Reden wir über ARBEIT, WOHLSTAND und MACHT!

Vor dem Hintergrund der historischen Erzählungen wollen wir uns über die eigenen Erfahrungen und Gewohnheiten austauschen: Wie wollen wir arbeiten? Wie soll Wohlstand verteilt sein?

Wer soll über wie viel Macht verfügen? Mit einer Feldforschung zu aktuellen Arbeitsfragen, zugespitzten Wohlstandsformeln und Spielen der Macht wird das Thema präzisiert.“

Noch bis ins Jahr 2019 hieß der Arbeitstitel der OÖ. Landesausstellung in Steyr: „Adel – Bürger – Arbeiter. Der Weg zum modernen Oberösterreich“ und war auf gesellschaftliche Stände in ihrer monolithischen Setzung bedacht.

Der neue Dreiklang „Arbeit, Wohlstand, Macht!“ löste die eher statuarisch und historisch zu empfindende konfliktreiche Kategorisierung auf und lässt sie sowohl ins Aktive wie ins Passive frei.

Denn nicht nur die Frage einer Dynamik innerhalb einer Gesellschaft, bestimmte Stände aus eigener Kraft zu verlassen und sich nicht auf ewig dort definieren zu müssen – wohin Tradition und Konvention die Menschen steckten, wurde aufgelöst.

Vielmehr wurde dem Willen des Menschen, Ziele zu erreichen, zu streben, etwas mit seiner Leistung zu verändern, produzieren, verbessern und regeln zu wollen, Rechnung getragen. Und deren Geschichten sollen erzählt werden. Das „von Gott gegeben“ ist längst gewichen und es werden nunmehr andere Geschichten erzählt.

Geschehen diese Prozesse der Überwindung und Veränderung im demokratischen Gemeinsinn, dass alle an etwas arbeiten, was alle angeht, dann gibt es auch Raum für eine gemeinsame Zukunft.

Die im aktuellen Dreiklang außerdem innewohnende Wortspiele „Arbeit macht Wohlstand“ / „Wohlstand macht Arbeit“ spielt ebenfalls mit den vorher genannten Auflösungsprozessen und ändert die jeweiligen Blickwinkel auf das Leben.

Dynamiken in der Stadt sind spürbar

Zum Exempel stehen drei aktuelle Architekturprojekte und stadtplanerische Überlegungen. Der Bau des Stegs über die Enns des Architekturbüros „Marte.Marte“ aus Vorarlberg ist eines dieser Dynamik schaffenden Beispiele.

Oberösterreichische Landesausstellung
Blick von der Parkgarage auf den Ennssteg und die Altstadt. Foto: Herta Neiss

Es ist nicht nur eine Fußgängerbrücke im Jahr 2017 entstanden, sondern ein ästhetischer, fast schon künstlerischer Brückenschlag aus Cortenstahl ins historische Zentrum der Stadt.

Dazu kommt eine 260 Meter lange Fassade einer zweigeschossigen Parkgarage auf der östlichen Uferseite, die gemeinsam mit dem Steg über die Enns als zusammenhängende Landschaft interpretiert wurde.

Die metallene Patina begleitet die Fußgänger durch eine Hausöffnung direkt auf den gegenüberliegenden Stadtplatz und zum Rathaus. Dieser Brückenschlag ist ein Ausdruck von Willkommenskultur.

Er sieht den Fluss nicht als Hindernis oder wirtschaftliche Energiequelle, sondern als erzählerischen Bestandteil einer Stadt. Steyr kann nach wie vor unerwartet neu und ungewohnt gesehen werden.

Blick über den Ennssteg auf die Fassade des Parkhauses. Foto: Herta Neiss

Beispiel: Panoramalift

Gleiches gilt auch für ein weiteres Projekt und neues Wahrzeichen von Steyr: den Panoramalift, der vom Michaelerplatz auf den Tabor führt und im August 2020 eröffnet wurde. Dieser Ort ist mit unterschiedlichen Konnotationen und Erinnerungen versehen.

Oberösterreichische Landesausstellung
Eingang zum Taborstollen und Panoramalift am Michaelsplatz. © Stadtmarketing Steyr. Foto: Hannes Ecker

Der Eingang zum heutigen Lift führt in den „Taborstollen“. „Ab September 1943 mussten hier Kriegsgefangene aus Italien, Frankreich und der Sowjetunion bei der Errichtung des 800 Meter langen Stollensystems Zwangsarbeit leisten, eine gefährliche Arbeit, geprägt von Angst, Ohnmacht, Leid und Tod.“

Der Stollen diente als Luftschutzkeller, der den Zwangsarbeitern allerdings verwehrt war“, erzählt das Mauthausen Komitee. Eine Gedenktafel erinnert vis-a-vis des Aufzugs an das Vergangene. In der Höhe angekommen, haben die Besucher einen herrlichen Blick gen Süden, auf die Stadt und die beiden Flüsse.

Der Panoramalift auf dem Tabor. © Stadtmarketing Steyr. Foto: Hannes Ecker

Beispiel: Steyr Campus III

Ein Jahr vor der Eröffnung des Panoramalifts wurde der Neubau der Fachhochschule Oberösterreich Steyr Campus III fertiggestellt, der unter anderem die Bibliothek und Seminarräume beherbergt.

Der Baukörper des Linzer Architekturbüros Kneidinger ZT liegt parallel und direkt mit Zugang zur Steyr jenseits des Museums Arbeitswelt im historischen Industrieviertel.

Strategisch in die Zukunft gedacht, hat man hier einen Campus erschaffen, der mit seinen Studiengängen die Digitalisierung von Unternehmensprozessen sowie die Interkulturalität in zukünftigen Interaktionsprozessen fokussiert.

Die ineinandergreifenden unterschiedlich erscheinenden Mechanismen von Lehre, Architektur, Kulturtourismus, Regional- und Europapolitik – auch mit einem Blick auf andere Kulturen – zieht junge Studierende an und sorgt auch für einen Wandel regionaler Identitäten.

„Gestalt geben, atmosphärischen Raum kreieren und bauen“ ist hier also gelungen und verwirklicht worden. Obwohl die Arbeiterschaft in Steyr immer noch bescheiden und ohne allzu große Selbstverliebtheit ist, ist dennoch das Selbstbewusstsein – auch durch derlei Projekte – ausgeprägt.

Fachhochschule Steyr, Campus III © Kneidinger Architekten. Foto: Daniel Hawelka

Reden wir über Arbeit

Zurück zum Programm der Landesausstellung. Das Museum Arbeitswelt im Komplex der ehemaligen Messer- und Waffenfabrik, das sich im April 2021 nach den Umbauarbeiten in neuem Gewand zeigt und einen Teil der OÖ. Landesausstellung präsentiert, widmet sich bereits seit der Gründung der Entwicklung der Arbeits- und Sozialgesellschaft.

Es widmet sich mit all ihren Facetten von Produktion, Migration, Globalisierung, Arbeitslosigkeit, Gerechtigkeit, Armut, Flucht sowie Innovation, Industrialisierung und Wirtschaftswachstum.

Das Museum entstand aus der OÖ. Landesausstellung 1987 und hat ein sehr eigens, einzigartiges Konzept mit großer Flexibilität und schneller Reaktion auf Veränderungen und das Zeitgeschehen in der Gesellschaft.

Museum Arbeitswelt. Foto: Pia Odorizzi

Arbeit ist unsichtbar

Mit der in diesem Jahr stattgefundenen Ausstellung „Arbeit ist unsichtbar“ (2018/20) sind Fragen zur Digitalisierung, Flexibilisierung und Individualisierung gestellt worden (siehe dazu das Buch „Arbeit ist unsichtbar. Die bisher nicht erzählte Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Arbeit“ von Robert Misik, Christine Schörkhuber und Harald Welzer).

Dieser Dreiklang prägt – weit über Steyr und Oberösterreich hinaus – die Diskussion über die zukünftige Arbeitswelt. Wenn an Arbeit gedacht wird, dann vor allem durch historisch Erlerntes. Fabriken, Büros, Maschinen, Werkzeuge, Manager, Computer, Energie, Rohstoffe und Menschen, die ihre Arbeit tun.

Arbeit hat jedoch viele unsichtbare Aspekte: geistige, soziale und gefühlsbetonte. Die Fragen, die sich in unserer Zeit stellen, haben etwas mit der Ab- und Auflösung von Gelerntem zu tun. Mit Ängsten und Herausforderungen durch Veränderung, mit psychischen Prozessen, die die Menschen auch krank machen bei Überforderung, Stress und anderen Zwängen.

Der kritische Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen und die Suche nach Antworten auf die aktuellen Digitalitätswirklichkeiten sind hier fokussiert.

Reden wir über Wohlstand

„Der Innerberger Stadel ist Sinnbild für den Reichtum der Stadt durch Eisenhandel und Industrie. Die Ausstellung nimmt die Besucher schließlich mit in die Welt der Kaufleute, Industriellen, Intellektuellen und Handwerker.

Von der Zeit der vorindustriellen Eisenwirtschaft bis zu den innovativen und kreativen Unternehmen der Gegenwart“, heißt es erläuternd auf der Homepage der OÖ. Landesausstellung.

Innerberger Stadel nach der Renovierung. Foto: Pia Odorizzi

Allein das Äußere des am Grünmarkt gelegenen und 2019 renovierten Renaissance-Museumskomplexes, mit modernen Zubauten auf der Rückseite, zeigt schließlich direkte Verbindungslinien von Wohlstand und Kultur.

In dem neu zu gestaltenden stadtgeschichtlichen Museum sollen für die Landesausstellung vollkommen neue Bereiche geschaffen werden, die anschließend nachhaltig genutzt werden können.

Visualisierungen zeigen bereits Ideen für eine ansprechende, besucherführende und zeitgemäße Präsentation.

Visualisierung der Räume zur Landesausstellung (Stadtmodell). © MachGut
Visualisierung der Räume zur Landesausstellung (Dachboden). © MachGut

Reden wir über Macht

Auf der Suche nach den Geheimnissen, Verführungen und Notwendigkeiten der Macht ist der Ausstellungsteil im Schloss Lamberg. Das im barocken Stil gebaute Schloss oberhalb des Zusammenflusses von Enns und Steyr dient folglich als Symbol für Prunk und Reichtum, für Luxus und Macht.

Ob und wie diese Terminologien in kausalen Zusammenhängen stehen? Spiele der Macht müssen beherrscht werden. Dazu gehören Wissen und taktische Anwendung.

Strategische Hochzeiten, harte Verhandlungen, Krieg und Intrigen bestimmten also den Lauf der Geschichte und die Verteilung von Einfluss, Geld und Gold. Ist das nicht bis heute so? So sind schließlich auch der Niedergang des Adels und der Macht als Bestandteil der Ausstellung vorgesehen.

Blick auf das Schloss Lamberg aus der Distanz. Foto: Pia Odorizzi

Ein virtueller Rundgang durch die Schlossbereiche wird bereits seit einiger Zeit auf der Website angeboten.

Wer nun allerdings glaubt, die Oberösterreichische Landesausstellung sei hauptsächlich fokussiert auf die drei Ausstellungsstationen, der irrt.

Daniela Limberger betont, dass „ganz Steyr Landesausstellung ist, jeder Platz, jeder Gasse, mit kurzen Wegen, fußläufig.“ Außerdem verweist sie auf das Konzept der Nachhaltigkeit und sagt: „Steyr ist immer Landesausstellung!“

Innenhof des Schloss Lamberg. Foto: Anna Armbrust

Die Geschichte der Landesausstellung in Oberösterreich

In acht der österreichischen Bundesländer wurden im 19. Jahrhundert Landesausstellungen etabliert. Anfangs mit Bezug auf Wirtschaft und Gewerbe, nach dem Zweiten Weltkrieg mit Fokus auf Kultur.

Ziel war und ist es noch heute, diese Großveranstaltungen mit identitäts- und kulturstiftendem Charakter einerseits in ihren regionalen historischen Kontexten zu untersuchen, hinterfragen, diskutieren und erinnern. Andererseits, das in Hinblick auf den gegenwartsbezogenen gesellschaftlichen Ist-Zustand zu reflektieren, sowie um Zukunftsvisionen entwickeln zu können.

Das Bundesland Niederösterreich begann 1951 mit der ersten Landesausstellung in modernem Gewand. Gefolgt von der Steiermark Ende der 50er Jahre und weiteren Ländern in den 1960ern.

Die oberösterreichischen Landesausstellungen haben ebenfalls eine lange Tradition.

Bereits im 19. Jahrhundert – genauer im Jahr 1862 – fand in Linz neben einem Volksfest die erste Landesausstellung statt.

Waren diese zunächst bis 1927 mit einem primär (land-)wirtschaftlichen Bezug abgehalten worden, änderte sich das Konzept nach einer jahrzehntelangen Pause 1965 vollständig. Denn ab dann waren kultur- und sozialgesellschaftliche Schwerpunkte fokussiert.

Träger der Veranstaltungen, die über mehrere Monate festivalartig stattfinden, ist das Bundesland Oberösterreich, die Direktion „Kultur und Gesellschaft“ des Amtes der oberösterreichischen Landesregierung.

Die jeweiligen Austragungsorte sind individuell oder in verschiedenen Orten des Bundeslandes verstreut. Sie erhielten im Laufe der Zeit auch einen kulturtouristischen Charakter. Von 1974 bis 1990 fanden die Landesausstellungen in jährlichem, danach in zwei-, seit 2018 in dreijährigem Rhythmus statt.

Im Jahr 2004 internationalisiert sich die Oberösterreichische Landesausstellung erstmals und dachte über die Landesgrenzen des Bundeslands hinaus.

Zunächst war es das westlich angrenzende deutsche Nachbar- und Bundesland Bayern mit dem Titel: „Grenzenlos – Geschichte der Menschen am Inn“. Im Jahr 2013 dann das tschechische Nachbarland mit der Region Südböhmen (Jihočeský kraj) und ihrer Hauptstadt Budweis (České Budějovice). Motto: „Alte Spuren, Neue Wege“.

Warum Steyr der ideale Ort für die Landesausstellung ist

Im Jahr 1192 war Steyr, nach heutigem Sprachgebrauch, die Hauptstadt der Steiermark (damals: Herzogtum Steyermark). Daher die Namensähnlichkeit.

Noch heute erinnert daran das Wappen mit dem weißen Panther auf grünem Hintergrund an die gemeinsame Geschichte, das beide miteinander teilen.

Herzog Albrecht I. gewährt der Stadt am Zusammenfluss von Enns und Steyr zahlreiche neue Begünstigungen und Eisenhandelsprivilegien. Gleichzeitig verlieh er Steyr mit diesem Schreiben auch das Stadtrecht. Das in lateinischer Sprache abgefasste sogenannte „Große „Privilegium“ ist die älteste Urkunde der Stadt.

Durch ihre überragende Stellung im Eisen- und später im Stahlhandel und durch das einträgliche eisenverarbeitende Gewerbe war „Steyr neben Wien, Linz und Krems eines der wichtigsten urbanen Zentren im Einzugsbereich des österreichischen Donauabschnitts während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“, weiß Raimund Ločičnik vom Stadtarchiv Steyr.

Im 17. Jahrhundert kamen der Leinwand-, der Rupfen- und Tabakhandel sowie die Waffen- und Harnischmanufaktur hinzu, im 19. Jahrhundert die „Österreichische Waffenfabriksgesellschaft“.

Bewegte Stadtgeschichte

„Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Produktion in der nun Steyr-Werke AG benannten Fabrik auf Automobile umgestellt. Nach einer vorübergehenden Eingliederung in die „Reichswerke Hermann Göring“ während des Zweiten Weltkriegs, auch nach 1945 mit der Erzeugung von Lastkraftwagen, Motorrädern, Fahrrädern sowie Wälz- und Kugellagern beibehalten.

Seit 1950 wurden auch wieder Jagdwaffen und seit 1955 Militärfahrzeuge und Militärhandfeuerwaffen erzeugt. Mit dem Jahr 1987 begann die Zerschlagung des Konzerns in mehrere Teilunternehmen. Dazu gehören unter anderem Steyr-Mannlicher (Jagd-, Sport- und Behördenwaffen), MAN Steyr (Lastkraftwagen) und Magna Steyr (Fahrzeugtechnik).

Im Bereich der Automobilindustrie ist heute auch das Werk des deutschen „MAN Truck & Bus“-Konzerns als wichtiger Wirtschaftsfaktor zu nennen“. Für das Jahr 2023 plant allerdings der Vorstand des Münchner Lastwagenbauers die Komplettschließung des Werks in Steyr.

Was nicht nur knapp 2.500 Arbeitsplätze im Werk kosten, sondern auch viele Zuliefer- und Dienstleistungsbetriebe betreffen würde. Es hätte eine eklatante Auswirkung auf Stadt und Region.

Auf der Website des Produktionsstandorts Steyr von MAN wird noch Ende 2020 „der Launch einer neuen Fahrzeug-Baureihe“ geworben. Außerdem mit Innovationen und dem Thema Elektromobilität.

Steyr versteht sich also traditionsbedingt als Arbeiter- und Handelsstadt. Die knapp 40.000 Einwohner leben in und mit diesem Selbstverständnis.

Als Industriestandort, Stadt der Manufakturen und des Handels war man hier immer abhängig von Arbeit, Produktion und Dienstleistungen. Man errang damit aber auch Wohlstand und Einfluss.

Titelbild: Plakat der OÖ. Landesausstellung 2021, Steyr

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