Faktoren, die die subjektive Sicherheit erhöhen

13.11.2018
Gesellschaft

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Die Sicherheit einer Stadt ist nicht nur auf „Hard Facts“ zurück zu führen. Objektive Sicherheit ist messbar und zeigt sich unter anderem in der Anzahl der erfassten Straftaten und Verkehrsunfälle entsprechend der Kriminal- und Unfallstatistik einer Stadt.

Der Begriff „Subjektives Sicherheitsgefühl“ hingegen bezeichnet die Einschätzung des einzelnen Bürgers, ob und wie sicher er sich in seinem Umfeld fühlt.

 

Die subjektive Sicherheit zeichnet sich durch das individuelle Empfinden bzw. die Wahrnehmung der Außenwelt aus. Sie wird durch persönliche Erfahrungen, Gefühle, Interessen oder Vorurteile, aber auch durch die eigene Sensibilität und die öffentlichen Medien beeinflusst.

Subjektive Sicherheit ist nicht messbar, weil sie laufend Veränderungen unterliegt. Tatsache aber ist: Das Sicherheitsempfinden spiegelt einen wesentlichen Teil des Wohlbefindens wieder. Es ist ein wichtiger Indikator für die Lebensqualität in einer Stadt.

 

Monitoring subjektive Sicherheit: Das fühlen Österreicher

Das subjektive Sicherheitsgefühl der Österreicher ist wieder gestiegen. Quelle: KIRAS Sicherheitsforschung

Laut dem Sicherheitsmonitoring 2018 zum Thema „Sicherheitsgefühl und Sicherheitsbedürfnis“, das im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie von der KIRAS Sicherheitsforschung und dem Institut für empirische Sozialforschung durchgeführt wurde, ist das Sicherheitsgefühl der Österreicher während der letzten fünf Jahre etwas gestiegen.

Lag in den Befragungen aus den Jahren 2007, 2011 und 2013 das mittlere Sicherheitsgefühl auf einer Skala von 100 („sehr sicher“) bis 0 („gar nicht sicher“) im Schnitt bei 78 Punkten (2009: 75 Punkte), waren es 2016 nur noch 69 Punkte, und im Jahr 2018 stieg dieser Wert wieder auf 72 Punkte an.

Das subjektive Sicherheitsgefühl steigt offenbar mit der Bildung. Hohe Verunsicherung besteht in den Gesellschaftsschichten mit niedriger bis mittlerer Bildung wie Pflichtschulabschluss ohne Lehre.

Hier beträgt der Wert 68 Punkte, während Personen mit Lehre 66 Punkte aufweisen. Wer hingegen über einen Abschluss einer Fachschule oder mittleren Schule verfügt, verzeichnet 74 Punkte. Während Personen mit Matura (81 Punkte) und vor allem HochschulabsolventInnen (83 Punkte) über ein höheres Sicherheitsgefühl verfügen.

 

Maßgeblichen Einfluss auf das Sicherheitsgefühl hat auch das Einkommen.

Personen in der Netto-Haushaltseinkommen-Kategorie bis 1.000 Euro haben im Schnitt ein um 14 Punkte geringeres Sicherheitsgefühl als Personen in der Einkommenskategorie bis 3.000 Euro netto. Hier stehen 62 Punkten 76 Punkten gegenüber!

Ein großer Verunsicherungseffekt geht offenbar durch den Konsum von Boulevardmedien und Gratis-Zeitungen aus. Während Befragte, die ausschließlich die „KronenZeitung“, „Österreich“ oder „Heute“ lesen, 67 Punkte beim allgemeinen Sicherheitsgefühl aufweisen, fühlen sich Leser von vergleichsweise qualitativeren und differenzierenden Medien wesentlich geschützter in Österreich. So weisen „Der Standard“-Leser 80 Punkte auf und „Die Presse-Leser“ 79 Punkte.

Das bedeutet für Ihre Stadt: Welche Vorfälle wie in den Medien kommuniziert werden, hat einen großen Einfluss auf das Sicherheitsgefühl der Bürger. Auch Sie als Stadt/Gemeinde tragen mit ihren Kommunikationskanälen Verantwortung dafür. Eine Investition in gute Ausbildungsplätze wirkt sich vielfältig und nachhaltig darauf aus, wie sicher Ihre Stadt in Zukunft erlebt werden kann.

Faktoren, von denen sich Österreicher bedroht fühlen. Quelle: KIRAS Sicherheitsmonitoring

 

Subjektive Sicherheit: Wie werden Migranten eingeschätzt?

Quelle: Sicherheitsmonitoring KIRAS

Einen deutlichen Einfluss auf die subjektive Sicherheit in Österreich hat der persönliche Kontakt mit Migranten.

Während diejenigen ohne persönlichen Kontakt mit Zuwanderern (69 Punkte) oder mit eher unpersönlichen Kontakten in der Nachbarschaft (71 Punkte) sich vergleichsweise unsicher fühlen, weisen Befragte mit Kontakten innerhalb der Familie (82 Punkte) und besonders bei Migranten-Kontakt im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten (85 Punkte) wesentlich höhere Sicherheitswerte auf.

Insgesamt gaben von den Befragten 31 Prozent an, dass das Zusammenleben mit Flüchtlingen (sehr) gut funktioniert. 38 Prozent sind geteilter Meinung und 25 Prozent bewerten dieses als (sehr) schlecht.

Auf die erstmals gestellte Frage nach der Unterbringung der Geflüchteten, meinen 64 Prozent der österreichischen Bevölkerung, dass Asylwerber in kleineren regionalverteilten Unterkünften untergebracht werden sollten. 18 Prozent sprechen sich hingegen für einige wenige Großquartiere aus. Der Rest kann oder will sich dies bezüglich nicht äußern oder entscheiden.

Das bedeutet für Ihre Stadt: Sämtliche Maßnahmen zur Integration und zum Abbau von Vorurteilen und Barrieren tragen dazu bei, das subjektive Sicherheitsgefühl in Bezug auf Migranten zu erhöhen.

 

Gestaltung öffentlicher Plätze

Heruntergekommene Gebäude und Plätze tragen sofort zur Erhöhung der Unsicherheit bei. (c) Pixabay

Aus der Sicherheitsforschung ist bekannt, dass auch die Gestaltung öffentlicher Plätze Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl nimmt. „Nach dem sogenannten Glasscherbenprinzip ist es nicht ratsam, öffentliche Plätze optisch verfallen zu lassen“, sagt der Experte Ralph Hammer von KIRAS.

„Die optische Wirkung erhöht das Unsicherheits-Empfinden.“ Wenn es auf einem Platz also zum Beispiel Graffiti gibt, sollte dieses künstlerisch angefertigt und nicht „an die Wand geschmiert“ sein. Gepflegte, durchdacht gestaltete öffentliche Plätze wirken immer vertrauensvoller als ein Ort, der an ein heruntergekommenes Vorstadtviertel erinnert.

Auch die Beleuchtung zählt: Anstatt wenig Licht oder hellem, grellem Neonlicht empfiehlt sich eine ausreichende Beleuchtung in wärmeren Farbtönen.

„Eine sichere Stadt sollte ihre Bürger dazu einladen, Wege zu Fuß zu erledigen, Rad zu fahren und im städtischen Raum zu verweilen“, schreibt Jan Gehl in seinem Buch „Städte für Menschen“. Dazu trägt auch eine ausreichende Beschilderung zur Orientierung sowie eine gute Gliederung der Stadt, in der man sich gut zurechtfinden kann.

Auch eine gute Ausstattung mit Lokalen und Geschäften ist entscheidend, da diese öffentliche Orte beleben. Denn es gilt der Grundsatz: „Belebte Straßen führen zu einer sicheren Stadt. Und eine sichere Stadt hat belebte Straßen.“ Schließlich sehen viele Augen immer mehr.

 

Auch eine Durchmischung von Gebäuden trägt zum Sicherheitsempfinden bei.

Befinden sich in einem Bürohaus auch Wohnungen, fällt durch diese Abends immer ein Lichterschein auf die Straße. Gehl nennt dazu das Beispiel Kopenhagen. Im Stadtzentrum leben etwa 7.000 Einwohner. An einem Winterabend kann eine Person also im Lichtschein aus mindestens 7.000 Fenstern durch die Innenstadt gehen.

Hinsichtlich der Polizeipräsenz an „Brennpunkten“ ist das richtige Maß gefragt. „Hierbei ist es wichtig, dass Polizisten in Alltagssituationen nicht zu präsent auftreten, weil das die Bevölkerung tendenziell verunsichert“, sagt der Experte Hammer.

„Dabei spielt auch die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Exekutive eine wichtige Rolle. Die Erkenntnisse aus unseren Forschungen darüber wurden bundesweit in die Polizeiausbildung aufgenommen.“

Das bedeutet für Ihre Stadt: Je belebter die Straßen und Plätze, desto besser! Gemischte Bauten, gut beleuchtete Straßen und saubere Plätze stärken das Vertrauen und geben ein gutes Gefühl.

Fotocredit Titelbild: Pixabay

 

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