Schöne Städte sind bessere Städte

18.06.2019
Architektur, Trends

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Sind schöne Städte bessere Städte? Vergangenen Donnerstag trafen sich Citymanager aus ganz Österreich zu einem Praxistag in St. Valentin, um sich inspirieren zu lassen, wie man aus seiner Stadt ein Wohlfühl-Juwel machen kann.

 

Stadtgestalterin Daniela Krautsack und Retail-Designerin Agnes Schmidt zeigten, warum sich Menschen von Schönheit angezogen fühlen und welche positiven Effekte Schönheit in der Stadtentwicklung haben kann. Zur Inspiration gab es Best-in-Class Beispiele aus aller Welt.

Krautsacks Expertise liegt im Vernetzen mit Vor- und Querdenkern aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft, um zeitaktuelle Probleme und zukünftige Herausforderungen in Städten zu lösen. Dies zeigt unter anderem das Projekt Neumarx –  ein Urban Experience-Projekt zur Verbindung von Medien, Forschung und Technologie oder im Projekt Blickwinkel Stumpergasse.

 

Neumarx: Sprache im Raum

Auf dem Stadtentwicklungsareal hat sie 17 Stationen gestaltet: vom „Häkel-Baum“ mit Energiestation über ein Mobile, eine Ausstellungswand mit verschiedenen Cannes-Lion-Gewinnsujets, Wand-und Bodenbeklebungen von „asphalt art“, sowie Schattenplakate bis hin zu einem Obst-, Gemüse und Kräuterbeet, wo die Besucher, Anrainer und Mitarbeiter am Areal im Vorbeigehen ernten können. Doch was steckt dahinter?

Mit den Installationen sollten dem Stadtteil Gehör, Identität, aber auch ein Tupfer Farbe verliehen werden.

Große Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Branchen kamen bei „Sprache im Raum“ zu Wort. Von Nobelpreisträgern über Pioniere der Technik bis hin zu heimischen Künstlern wie Karl Farkas und Helmut Qualtinger.

 

Blickwinkel Stumpergasse

Kennenlernen – Vernetzen – Kooperieren – Wertschöpfung steigern

„Ich fand es sonderbar, dass ich zwar viele Leute aus Erdgeschoßzentren kenne, aber niemanden aus Obergeschoßen, erzählt Daniela Krautsack. Im ersten Stock arbeiten die Menschen immer im Verborgenen. Mit Unterstützung der WK Wien habe ich daher eine Community der Obergeschoß-Unternehmer ins Leben gerufen.

Man stellte einen Design Thinking Prozess voran, traf sich in Arbeitskreisen, im Café und auf der Straße. Durch das Projekt wissen die Leute der Gasse jetzt was die Nachbarn machen. Dadurch entsteht eine neue Zusammenarbeit und der einzelne Kleinunternehmer bekommt mehr Kraft.

Gegenseitige Weiterempfehlung oder die gemeinsame Akquise von Aufträgen sind die großen Benefits. Zur weiteren Vernetzung im Grätzl wurde eine Gazette gestartet, die über laufende Aktionen informiert. Langfristig ändert sich auch die Optik der Stumpergasse, weil man Schaufenster in Erdgeschoßlokalen kreativ gestaltet. „Durch gemeinsame Projekte im öffentlichen Raum wird das Grätzl aufgewertet,“ so Krautsack.

 

Ausstellung im MAK Wien: Beauty

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh haben in ihrer Ausstellung Beauty im MAK in Wien die Diskussion um das Thema Schönheit wieder entfacht. Was Sagmeister und Walsh unter Schönheit verstehen, deutet schon die Typographie an, die sie im Logo zu Ankündigung ihrer Ausstellung verwenden.

 

(c) Sagmeister & Walsh MAK Mona Heiß
(c) Sagmeister & Walsh MAK Mona Heiß

 

Es geht um das Verschnörkelte, Verspielte – um Formen, die das Auge beschäftigen und in denen es sich verlieren kann.

Sagmeister beklagt, „dass Schönheit im 20. Jahrhundert bei Architekten, Designern und Künstlern stark aus der Mode gekommen, ja sogar in Verruf geraten sei.“ Im 20. und 21. Jahrhundert wurde sie einfach der Funktion untergeordnet. Künstler wollen den Begriff Schönheit für ihre Arbeiten nicht verwenden, damit diese nicht als dekorativ abgestempelt werden. Designer vermeiden ihn, um nicht als kommerziell motiviert zu erscheinen.

Mit Farben verbinden Menschen viele Assoziationen. Bei Türkis denken wir an einen Strand in der Karibik, bei einem Sonnenuntergang an sinnlich warme Farben. Rot gilt als die Farbe der Liebe schlechthin. Genauso können Farben jedoch auch abschrecken und verstören.

Bei der Ausstellung können die Besucher mittels Papiermünzen, die in entsprechende Schlitze zu stecken sind, Entscheidungen treffen und abstimmen. Dabei zeigt sich was auch internationale Studien belegen: Braun ist die hässlichste Farbe der Welt. Und die hässlichste Form der Welt ist das Rechteck.

 

(c) Sagmeister & Walsh MAK Mona Heiss
(c) Sagmeister & Walsh MAK Mona Heiß

 

Was glaubt die Bauindustrie?

(c) Daniela Krautsack

 

Eine spannende Erkenntnis. Forschungen der empirischen Ästhetik führen zu erstaunlichen Ergebnissen, auch das zeigt die Schau: Alzheimerpatienten etwa verlieren nicht das Gefühl für das Schöne.

 

Entsteht die Schönheit im Objekt, oder im Kopf?

Plato setzte Schönheit mit Wahrheit gleich. Nietzsche wollte die Wahrheit mit Schönheit bekämpfen. Friedrich Nietzsche: „Die Welt ist so schrecklich, dass nur die Kunst uns davor bewahren kann. Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“

Der Goldene Schnitt gilt als die universelle Formel für Schönheit. Ideale Stadtplanung stellt ein Gleichnis dar. Leonardo Da Vinci hat sich den goldenen Schnitt vorgenommen und setzte den menschlichen Körper in Bezug zu den Idealfiguren Kreis und Quadrat.

Aber ist das auch heute noch so?

 

Kann Schönheit Probleme in Städten lösen?

Es ist nicht die Schönheit allein, sondern der Umstand, dass sie auch eine starke soziale Komponente hat. Wie viel ein bisschen Farbe bewirken kann, zeigt ein Projekt in Rio: Das Favela Painting Projekt und die Macht der Farbe.

Mit ein wenig Farbe sorgte das niederländische Architekten-Duo Dre Urhahn und Jeroen Koolhaas für die Aufwertung der Favelas in Rio und dafür, dass die Medien anfingen, auch einmal positiv über die von Kriminalität geprägten Gemeinden zu berichten.

Inspiriert von der freundlichen und frohen Lebensart der Menschen wollten sie die gesamte Favela Santa Marta in Rio in bunte Farbe tauchen. Die Häuser wurden in weniger als einem Monat bemalt und die Bilder gingen um die Welt. Bei einem Grillfest konnten die Bewohner mitbestimmen, wie die Gestaltung umgesetzt werden soll.

In Vila Cruzero, einer bekannten Favela in Rio designte das Duo ein Bild über drei Häuser. Sie trommelten ein lokales Team zusammen und bald wurde die erste Open-Air-Galerie in einer Favela geöffnet.

 

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Video (c) Haas&Hahn

 

Phantasievolle Gestaltung kann Unorte verwandeln

Auch ein Projekt in New York zeigt, welche positiven Effekte eine Verschönerung bringen kann.

Eine dunkle, stinkende Unterführung in New York wurde von Sagmeister und Walsh mit einem großen „Yes!“-Graffito komplett verändert und ein neues Image gegeben. Der zuerst gemiedene Ort, an dem niemand sein wollte, ist durch die Neugestaltung zu einem beliebten Fotomotiv für Brautpaare avanciert. Mithilfe von Farbe und grafischem Talent wurde so aus einer illegalen Toilette eine Hochzeitskapelle.

 

(c) Sagmeister & Walsh (c) Maggie Winters
(c) Sagmeister & Walsh (c) Maggie Winters

 

Wie sich Licht im öffentlichen Raum auswirkt und wie man es im Stadtmarketing einsetzen kann, können Sie hier nachlesen:

 

Am Ende des Vortrags gibt Daniela Krautsack noch einen Tipp mit auf den Weg:

Schönheit liegt NICHT im Auge des Betrachters. Diese Aussage stammt aus einem Roman Molly Brown, im 19. Jahrhundert geschrieben. Romane sind Fiktion. Um Fiktion mit Fakten zu widerlegen, studiert man Umfragen. Diese beweisen, dass alle Augen imstande sind, Schönheit zu sehen, wenn sie wirklich da ist.

Wer in der Stadt lebt, hat viele Möglichkeiten, sein Leben und das der anderen bunter zu gestalten. Mitmachen, ausprobieren, glücklich sein – es gibt so viel, was im Stadtleben möglich ist.

Bringe Kreativität in deinen Lebensraum! Es gibt viele Künstlercommunities von denen man sich sehr viel abschauen kann. Vernetze dich mit der Nachbarschaft, starte dein eigenes Projekt und sei bereit, einen Handgriff mehr zu tun. Mit wenigen, einfachen Maßnahmen können wir die eigene Stadt lebenswerter machen!

 

Schöne Städte sind bessere Städte (c) Sagmeister & Walsh Pop! Wed Co
(c) Sagmeister & Walsh Pop! Wed Co

 

Agnes Schmidt:

Wie Retail und Schaufensterdesign das Wohlbefinden in Städten beeinflusst und Leerstand verhindert

Die Stilexpertin und Modedesignerin Agnes Schmidt zeigte, was eine schöne Schaufenstergestaltung in Innenstädten bewirken kann.

„Gut gemachtes Schaufensterdesign ist so gemacht, dass man hinsehen muss! Gerade in Metropolen wie New York zeigt sich, dass die Begeisterung über Jahrzehnte mitgetragen wird. Trauben von Menschen stehen vor Schaufenstern von Tiffany, ob des besonderen Designs.

Statt reinen Verkaufsräumen werden Orte geschaffen, die ein Erlebnis bieten und zum Verweilen und kommunikativen Austausch einladen. Es haben immer mehr Marken erkannt, dass die Beziehung zu ihren Kunden über den bloßen Verkauf des Produkts auf Regalsystemen hinausgehen muss. Es geht nicht mehr um die ausgestellte Ware, sondern um den Blickfang“ so Schmidt.

Auffallen ist das Motto!

Lesen Sie dazu den Blogbeitrag: „Die Kunst der Schaufenster-Dekoration“ vom 6. Februar 2019

Was in den Auslagen der großen Kaufhäuser in Weltstädten funktioniert, geht auch im Kleinen und beeinflusst die Stadtgestaltung nachhaltig positiv. Man kann mit Shop-Konzepten aus den USA auch im ländlichen Raum für Aufsehen sorgen, ist Agnes Schmidt überzeugt. Denn viel lässt sich mit einfachen Mitteln herstellen.

An vielen Orten und Städten ist man mit dem Problem konfrontiert, dass sich die Eigentümer nicht um ihre Immobilien kümmern. Leerstehende Häuser und Geschäfte verfallen lassen. Eine Abwertung des Lokals und Vandalismus sind oft die Folge.

 

Wie kann ich die Unternehmer in die Verantwortung nehmen?

Auf diese Frage gibt es keine zufriedenstellende Antwort. Der Politik sind oft die Hände gebunden.

Agnes Schmidt rät dazu, in der Community mehr Aufruf zu machen. Nicht aufzugeben, sondern beharrlich Überzeugungsarbeit zu leisten. Vollflächige Beklebungen können ein Schutz gegen ungewolltes Graffiti darstellen und stellen ein wunderbares Instrument zur Verschönerung dar. Licht in Schaufensterauslagen bringt Sicherheit und beugt Vandalismus vor!

Abschließend gibt Agnes Schmidt noch ein paar persönliche Tipps, um besonders junge Leute wieder ins Zentrum zu bringen:

Spannende Gastronomie, ungewöhnlichere und kreative Dienstleistungen, die von den Leuten gebraucht werden. Man muss sich wohlfühlen, kurze Wege haben, wissen, wo der Kindergarten und die Schule sind, wo der nächste Arzt ist und wo man seine Freizeit mit Kindern verbringen kann. Und wo man seinen Fahrradanhänger für die Kids hinstellen kann.

Mehr Erlebnismarketing muss Einzug halten.

Ihr Rat: Seien Sie offen für Kooperationen mit Kreativen und bieten Sie Denk- und Handlungsfreiräume. Lernen Sie von innovativen Initiativen (Zeitgeist, Enns), die Start Up-Unternehmern Orte zum Austesten ihrer Handelskonzepte bieten.

Am Nachmittag wurde den Teilnehmern eine Design-Aufgabe gestellt. Ziel war die Neugestaltung einer Brückenunterführung in St. Valentin. Es wurde gezeichnet, geschnitten, geklebt, gemalt und viel gelacht. In überraschend kurzer Zeit entstanden hoch kreative Bauwerke. Den Teilnehmern blieb die Erkenntnis, dass Kreativität sehr schnell freigesetzt werden kann, wenn man es nur zulässt.

 

Fazit:

Menschen fühlen sich von Schönheit angezogen und oft können einfache Maßnahmen große Erfolge in der Stadtgestaltung bewirken und soziale Probleme verringern.

daniela_krautsack_web

Daniela Krautsack

Ausgebildete Media-Strategin und Media-Managerin, Trendforscherin

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