Was wir von den lebenswertesten Städten der Welt lernen können

03.09.2019
Gesellschaft

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Die internationale Zeitschrift Monocle hat ihr jährliches Ranking der lebenswertesten Städte publiziert. Was bedeutet das für Stadtmarketer auch in kleinen Städten? Und wie können Sie die Erkenntnisse in Ihrer Stadt nützen? Lesen Sie mehr.

 

Jedes Jahr wird die Bewertung der lebenswertesten Städte der Welt mit Spannung erwartet. In der 13. Ausgabe des renommierten Rankings führt heuer Zürich überdies bereits zum zweiten Mal die Liste an. Insgesamt 25 internationale Metropolen wurden auch heuer wieder von Experten unter die Lupe genommen.

Das Ranking gilt zufolge international als Wegweiser, welche Städte tatsächlich die attraktivsten zum Wohnen, Arbeiten und Leben sind.

 

60 Kriterien entscheiden

Um die 25 besten Städte auszuwählen, verwendet Monocle 60 Metriken, die zum Mix einer lebenswerten Stadt beitragen sollen.

Darunter finden sich unter anderem die Kosten des öffentlichen Verkehrs, Mietpreise oder der Aufwand für ein gutes Mittagessen sowie die Anzahl der Parks in einer Stadt, welche Summe in die Entwicklung ihrer Infrastruktur investiert wird sowie das Kulturangebot. Sicherheit und öffentliche Dienstleistungen stehen ebenso jedes Mal im Mittelpunkt der Entscheidung.

Als neue Kriterien wurden dieses Jahr folgende für die Bewertung hinzugezogen:

  • Die Länge der durchschnittlichen Arbeitswoche
  • Das Durchschnittsalter der Bewohner
  • Die Fortbewegungsmöglichkeiten für Personen, die kein Auto besitzen

 

Zürich belegt Spitzenplatz

Zürich konnte heuer bei den meisten Kriterien punkten.

Wie ist das Ranking demnach ausgefallen? Vergangenes Jahr führte München als Sieger die Liste an, gefolgt von Tokio auf Platz zwei, Wien auf Platz drei, Zürich auf Platz vier und Kopenhagen auf Platz fünf.

 

Heuer machte Zürich das Rennen um Platz 1:
„Zürich konnte den richtigen Mix unserer Schlüsselkriterien zuerst am besten erfüllen, die eine perfekte Stadt für Familien, Neuankömmlinge oder alternde Menschen ausmachen“, sagt Monocle-Chefredakteur Tyler Brûlé.

Besonders der im Bau befindliche neue Mega-Airport mit seinen 151 Destinationen, die von Zürich aus erreichbar sind, stellt einen Meilenstein in Zürichs Entwicklung dar. Darüber hinaus punktet die Schweizer Metropole mit fantastischer Natur und mit besonders hoher Sicherheit.

 

Tokio: Die Mega-Metropole lockt mit vielen Erholungsgebieten und beschaulichen Siedlungen.

Auf Platz 2 rangiert heuer Tokio:
Die Mega-Metropole konnte vor allem mit ihren vielen Gegensätzen begeistern und besticht neben großen Büro- und Handelszentren auch mit kleinen, beschaulichen Nachbarschaften, vielen Parks, fast unbegrenzten Shopping-Möglichkeiten und knapp 145.000 neu errichteten Wohnungen im vergangenen Jahr.

 

München: Gute Einkommen stehen mäßigen Lebenserhaltunskosten gegenüber.

München konnte Platz 3 belegen:
Vergangenes Jahr auf Platz 1 gereiht, überzeugt die bayrische Hauptstadt unter anderem mit attraktiven Einkommen und relativ leistbaren Lebenserhaltungskosten. Darüber hinaus nennt München zahlreiche Parks und Grünflächen sein eigen. Ski- und Wandergebiete sind nicht weit gelegen, und so erfreut Deutschlands Hauptstadt unter anderem auch mit einem breiten Angebot an Freizeitmöglichkeiten.

Die Top 3-Ränge Zürich, Tokio und München werden heuer gefolgt von Kopenhagen, Wien und Helsinki; die Plätze sieben bis zehn belegen heuer Hamburg, Madrid, Berlin und Lissabon.

 

Das sind die 25 lebenswertesten Städte der Welt im Überblick:

1. Zürich
2. Tokyo
3. Munich
4. Copenhagen
5. Vienna
6. Helsinki
7. Hamburg
8. Madrid
9. Berlin
10. Lisbon
11. Melbourne
12. Stockholm
13. Sydney
14. Amsterdam
15. Vancouver
16. Hong Kong
17. Kyoto
18. Barcelona
19. Paris
20. Düsseldorf
21. Auckland
22. Fukuoka
23. Brisbane
24. Oslo
25. Singapore

 

Was macht Kleinstädte lebenswert?

Wo geht’s hier zum nächsten Flughafen? Kleinere Städte brauchen auch andere Kriterien als die großen Metropolen.

Wie aussagekräftig und nützlich sind Rankings wie diese nun aber für Citymarketer auch in kleineren Städten?

Für Inga Horny, Präsidentin des Vereins Stadtmarketing Austria, ist es wichtig, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und umweltbedingten Trends und Veränderungen bei der Bewertung der Städte zu berücksichtigen, aber auch die geografische Lage, den Kontinent, die Größe und die kulturellen Besonderheiten.

„Metropolen lassen sich wie im Monocle-Ranking gewiss relativ gut gegenüberstellen, bei Kleinstädten sieht die Vergleichbarkeit anders aus.“

Bei Kleinstädten und Gemeinden würde es beispielsweise um Fragen gehen, wie gut die Stadt mit Verbindungen des öffentlichen Verkehrs zu den nächsten Flughäfen ausgestattet ist und wie viele internationale Hubs in welcher Zeit erreichbar sind.

Barrierefreiheit ist in Städten aller Größe ein Thema: Denn was nützen die besten Angebote, Einrichtungen und Veranstaltungen, wenn sie nicht für alle zugänglich und erlebbar sind?

 

Innenstadt und Handel: Kommunikations-Zentrum und Genuss-Hot-Spot

Lebenswerteste Städte und was wir von ihnen lernen können
Shoppen in der Innenstadt: Erlebnis und Meeting-Point

Gerade in kleinen Städten spielt auch die Positionierung der Geschäfte des stationären Handels eine größere Rolle. Inga Horny: „Shops werden am besten auch zu sozialen Treffpunkten umfunktioniert, dann haben sie auch gegen den Online-Handel gute Chancen.“

Gerade in kleinen Städten also könne der Handel gezielt auf persönliche Beratung setzen oder etwa auch Cafés oder andere gastronomische Angebote integrieren. „Der Mensch ist eben ein soziales Wesen und niemand ist interessiert daran, zurückgezogen in seiner Wohnung zu leben“, betont Inga Horny.

Edgar Eller, Geschäftsführer des Stadtmarketing Feldkirch, befasst sich wie Inga Horny intensiv mit dem Thema „lebenswerte Stadt“. Er hält persönlich nicht viel von Wettbewerben um den besten Platz im Ranking, jedoch sehr viel davon, sich mit den Ranking-Faktoren für lebenswerte Städte zu beschäftigen.

„Sie zeigen auf, welche Punkte eine Stadt in Betracht ziehen kann, bilden die Basis für eine Analyse des Ist-Zustandes und wo es hingehen kann oder soll.“ Das entscheidende Kriterium sei immer, ob die Menschen in der Stadt sich subjektiv wohl an ihrem Wohnort fühlen!

 

Klimawandel erfordert neue Planung

Edgar Eller selbst orientiere sich beispielsweise gerne an der Maslow‘schen Bedürfnispyramide – nicht nur für den Menschen, auch für die Stadt. „Zuerst muss die Versorgung und Sicherheit in allen Bereichen gegeben sein, bis es an die Selbstverwirklichung geht.“

Ein Faktor, der in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gewiss an Bedeutung gewinnen wird, ist die Anpassung an die klimatischen Bedingungen, zum Beispiel durch die Auswahl der passenden Bepflanzung einer Stadt, die im besten Fall dazu beiträgt, das Mikroklima in der Umgebung auszugleichen. „Schattige Orte und Wasser in der Stadt werden künftig bestimmt noch sehr gefragt und wichtig werden“, sagt Eller.

Inga Horny und Edgar Eller sind sich einig, dass die Bürgerbeteiligung verstärkt zum wichtigen Kriterium für die lebenswerte Stadt aufsteigen wird. „Bürger möchten gehört werden und aktiv an der Entwicklung ihrer Stadt teilhaben können.“

 

Stadtmarketing als Ideengeber

Lebenswerteste Städte der Welt
Die Agentur eMagnetix in Bad Leonfelden räumte nicht umsonst diverse Preise als bester Arbeitgeber ab.

Die Aufgabe des Stadtmarketings ist für Edgar Eller aber auch, Rankings wie jenes von Monocle zu verfolgen und dabei internationale Kriterien-Trends zu beobachten. „Unsere Rolle ist es dann auch, die neuen Trends aufzuzeigen und in unserer Stadt zu Veränderung zu inspirieren.“

Am Beispiel des neuen Monocle-Kriteriums für die Länge der durchschnittlichen Arbeitswoche könne dies für Citymarketer zum Beispiel bedeuten, die lokale Wirtschaft auf neue, unkonventionelle Arbeitszeitmodelle hinzuweisen und Mut zu machen, diese umzusetzen.

So hatte beispielsweise die oberösterreichische Agentur eMagnetix als erstes den Versuch gestartet, die Arbeitswoche ihrer Mitarbeiter bei vollem Gehalt auf 30 Stunden zu reduzieren.

Mehr Freizeit soll also den Erholungsfaktor steigern, mehr Zeit für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einräumen und Stress reduzieren – was letztlich die Gesundheit der Mitarbeiter stärkt und sie motivierter und produktiver macht. Auch diverse internationale Unternehmen sind diesen Schritt bereits gegangen.

Und wie steht’s um die Firmen in Ihrer Stadt?

 

Fazit Lebenswerteste Städte und was wir von ihnen lernen können:

Eine lebenswerte Stadt zu sein und zu bleiben, bedeutet, sich laufend weiterzuentwickeln. Wer in der Stadt die Versorgung und Sicherheit sichergestellt hat, darf sich schließlich der Selbstverwirklichung für alle Bewohner widmen.

In Zukunft wird es mehr und mehr bedeutsam sein, klimatische Veränderungen in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Auch eine gute Work-Life-Balance wird von Fachkräften aber auch von Beschäftigten aller Berufsgruppen zunehmend geschätzt und auch verlangt.

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