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Kreativprojekte für die Kleinsten fördern den Erfindergeist

13. März 2018Von Daniela Krautsack
Kreativprojekte fördern den Erfindergeist bei Kindern (Copyright Getty Images)
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Warum sind Kreativprojekte und die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur schon im Kindergartenalter wichtig?

Weil Kunst und Kultur allgemeinbildend sind, Einblick in fremde Kulturen gewähren und von der Vielfältigkeit der Menschen erzählen. Die Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturthemen sind in der Schule genauso sinnvoll wie Mathe oder Deutsch.

 

Was kann man durch Kreativprojekte in der Schule für den späteren Beruf lernen?

Lädt man junge Menschen ein, sich auf kreative Aufgaben einzulassen, wird nicht auswendig gelernt, sondern versucht, das Erlernte und Erfahrene zu verinnerlichen und umzusetzen. Dabei macht jedes Kind und jeder Jugendliche seine eigene Erfahrung. Das kann auch eine Herausforderung sein; werden diese überwunden, entsteht etwas Neues, auf das Kinder stolz sind.

Man lernt in der Kunst, in sich hineinzuhören, sich selbst ernst zu nehmen, seine Ideen mit den Ideen anderer abzugleichen und sich selbst in die „Welt zu setzen“.

PädagogInnen und Kreativschaffende wissen, dass dies am besten in längerfristigen Projekten funktioniert. Projekte, die mit einem öffentlichen Ergebnis enden, einer Vernissage oder der Zusammenarbeit mit einem erfolgreichen Künstler.

Weg und Inhalte des Endergebnisses sollten die SchülerInnen selbst bestimmen, um ein Unterrichtsprojekt zu schaffen, mit dem sie sich identifizieren können und zu enormem Einsatz bereit sind. Auch die Ergebnisse werden dann entsprechend gut.

 

Wie motiviert man SchülerInnen, die gar kein Interesse haben, an Kreativprojekten teilzunehmen?

Indem man Bilder in den Mittelpunkt rückt. Fast jeder Mensch spricht auf unterschiedliche Designs an und trägt einen persönlichen Bilderschatz in sich. Diese Dinge gilt es zu aktivieren. Manche LehrerInnen lassen ihre SchülerInnen Skizzenhefte führen, in das – neben Hefteinträgen, Arbeitsblättern und Übungen – ein persönliches Bildarchiv aufgenommen wird.

Jede/r SchülerIn kann dadurch ein Gespür für Bilder entwickeln und seine Urteilskraft in der Bilderflut schärfen. Bekannterweise verhilft die Visualisierung von Zielen zu deren Erreichung.

Die Visualisierung von Ideen spielt auch im Projekt ‚Little Inventors’ in England eine Hauptrolle. Little Inventors ist die Idee des Künstlers und Designers Dominic Wilcox in Zusammenarbeit mit erfahrenen PädagogInnen, DesignerInnen und KuratorInnen. Mission des Kreativprojekts ist die Realisierung von ‚Kindererfinderideen’.

 

Die ProjektinitiatorInnen sind überzeugt, dass die erstaunlichen Erfindungsideen der Kinder ein wertvoller Beitrag für die Welt sind. Sie sollten nicht einfach an einer Kühlschranktür hängen und vergessen werden. Daher setzte man sich zum Ziel, Kinder auf der ganzen Welt zu inspirieren und zu unterstützen.

Ihre unvoreingenommene Vorstellungskraft zu nutzen, um geniale, phantastische, lustige oder vollkommen praktische Erfindungsideen zu entwickeln. Die Kinder und das Little Inventors Team arbeiten mit ExpertInnen und Fachleuten zusammen, um die innovativsten Ideen in reale Objekte für die Little Inventor-Ausstellungen zu verwandeln.

 

Erfinderworkshops mit Dominic Wilcox

Als Dominic Wilcox, englischer Erfinder, Designer und Künstler, ein junger Mann war, wurde er von einem Schul-Tutor namens Charlie Holmes inspiriert, der Wilcox Bücher mit ungewöhnlichen Erfindungsideen zeigte. Holmes schlug Wilcox vor, sich selbst zu erfinden. Wilcox wurde ein weltweit angesehener Künstler, der seiner Heimatstadt etwas von dieser Inspiration zurückgeben wollte.

Ende 2015 kehrte Wilcox in seine Heimatstadt Sunderland im Nordosten Englands zurück und lud 450 Kinder ein, sich Erfindungen auszudenken. Dann bat er lokale Unternehmen, die besten Ideen in reale Dinge umzusetzen.

Das Projekt, das von The Cultural Spring in Auftrag gegeben wurde, begann mit 19 Erfinderworkshops in und um Sunderland mit Kindern im Alter von 4 bis 12 Jahren. Wilcox sammelte knapp über 600 Erfindungszeichnungen, die er in ‚absurd’ bis ‚genial’ einordnete.

Dann überzeugte Wilcox dutzende Firmen aus der Region, die Lieblingsideen der Kinder und Jugendlichen in die Realität umzusetzen. Die Ausstellung, die im Januar 2016 lief, war ein großer, weltweiter Erfolg mit Berichterstattung von CNN International und The Discovery Channel, um nur einige zu nennen.

 

 

Wilcox: „Als aus den Erfindungen Wirklichkeit wurde, haben die Kinder erkannt, dass ihre Fantasie eine mächtige Sache ist und dass ihre Ideen tatsächlich zu erstaunlichen Dingen führen können. Kinder haben inhärente Stärken beim Entwerfen von Erfindungen, solche, die Tech-Unternehmen gut brauchen könnten.

Sie haben weniger Informationen als Erwachsene und weniger Erfahrung im Leben, um zu wissen, was möglich ist oder nicht. Ich denke, als Erwachsene neigen wir dazu, unsere Gedanken auf das zu beschränken, was wir jetzt für machbar halten, und schränken somit das Potenzial unserer Ideen ein.”

 

Spannend ist auch diese Projekteinladung – lassen Sie sich zur Nachahmung inspirieren: http://nserc.littleinventors.org/collections/space-challenge

 

SKOhr-Labor ‘STIMMEN’

Inspirierend auch dieses deutsche Projekt: SKOhr-Labor ‘STIMMEN’. Das Stuttgarter Kammerorchester hat zu Pêteris Vasks Symphonie Nr. 1 „Stimmen“ gemeinsam mit rund 80 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 20 Jahren ein Tanztheater zum Thema Stimmen realisiert. Unter anderem mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) und Kindern mit eingeschränkter Sehfähigkeit.

Über neun Monate fand eine intensive Arbeit in Musik- und Tanzworkshops statt. Der Ansatz der ChoreographInnen war es, Anregungen zu geben, dabei aber viele Schülerideen aufzugreifen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Hierbei wurde ganz unterschiedliche Musik eingesetzt, die teilweise auch aus dem Umfeld der SchülerInnen stammte und ihnen den Zugang zu ihren eigenen Bewegungen erleichterte.

Mit der Zeit floss mehr und mehr von Vasks Musik in die Arbeit ein, bis schließlich seine Musik die Grundlage für eine Choreographie bildete, die in Zusammenarbeit mit den SchülerInnen entstanden ist.

 

 

Wie stehen wir im Vergleich da?

Ein Beispiel dazu aus Salzburg. Dort stehen 2018 40.000 Euro für Projekte zur Kultur- und Wissensvermittlung in den Nachmittagsgruppen der städtischen Kindergärten zur Verfügung. Die pädagogischen Leiterinnen können aus rund einem Dutzend hochwertiger Workshop-Programme das passende Angebot für ihre Gruppen auswählen.
Von Naturerkundungen vor der Haustüre über kindgerechte physikalische Experimente oder sportliche Teamspiele bis hin zum Erzählen, Erfinden und Spielen von Märchen, Tanzen, Trommeln und Ausdrucksspiel.

Ressortchef Vizebürgermeister Bernhard Auinger zum 2014 gestarteten Projekt Wissensstadt: „Mit Bildung und Wissensvermittlung müssen wir bei den Kleinsten starten. Jeder Euro, den wir für die Projekte in den städtischen Kindergärten investieren, kommt doppelt und dreifach an die Gesellschaft zurück.“

 

Externe Anbieter haben die Programme für die Drei- bis Sechsjährigen entwickelt. Dabei geht es um das Vermitteln einzelner Fertigkeiten und um die damit verbundenen sozialen, kommunikativen und kulturellen Kompetenzen. „Grade bei unseren Kindern spielt Sprache eine große Rolle“, sagt etwa Nicole Hofbauer, Leiterin des Kindergartens Lehen 1.

„Wenn wie beim Workshop ‚Jeux Dramatiques’ (Ausdrucksspiel) die Sprache mit Aktion und Spiel verbunden ist, dann bleibt das bei den Kindern nachhaltig haften. Die Kinder sind mit Begeisterung dabei und auch die Eltern finden das zusätzliche kostenlose Angebot toll.“

 

Digitale Kreativwerkstatt

Auch die erfolgreiche digitale Kreativwerkstatt geht heuer schon ins dritte Jahr. Gemeinsam mit Salzburg Research, dem Verein Spektrum und der Stadtbibliothek sowie weiteren Einrichtungen werden Kinder zwischen 8 und 12 Jahren eingeladen, digital und analog zu basteln und mit unterschiedlichen Materialien zu experimentieren. Jede Woche steht unter einem anderen Thema: 3D-Druck, Foto- und Animationswerkstatt, Textil-Upcycling.

 

(c) Wissensstadt Salzburg

(c) Wissensstadt Salzburg

 

Kunst und kulturelle Bildung kommen in österreichischen Schulen trotzdem deutlich zu kurz. Zu wenig Geld oder zu wenig Personal – im Schulalltag bleibt kaum Zeit und Luft, Projekte außerhalb des vollen Lehrplans zu gestalten. Dabei sind die Vorteile solcher Kreativinitiativen weltweit bestätigt. Es gäbe insgesamt weniger Mobbing und die SchülerInnen könnten sich länger konzentrieren, meinen ExpertInnen.

 

 

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Daniela Krautsack

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