Wie Interventionen die positive Stimmung in Städten stärken

02.02.2021
Kultur

Trotz Corona mit Interventionen eine positive Stimmung in Städten schaffen – geht das? Bürde, Sorge, Angst, Ärger – wie geht’s den ÖsterreicherInnen wirklich?

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Trotz Corona mit Interventionen eine positive Stimmung in Städten schaffen – geht das? Einerseits zuhause bleiben, anderseits die lokale Wirtschaft stärken – welch Dilemma, das den Bewohnern unserer Städte aufgebürdet wird. Bürde, Sorge, Angst, Ärger – wie geht’s den Österreichern und Östereicherinnen wirklich?

Auf der Recherche nach der aktuellen Stimmung im Land lese ich durch Befragungen von Boulevardblättern und Qualitätszeitungen, schaue mir die Statistiken an, nehme an Clubhouse Diskussionen teil.

Was alle Quellen eint, ist das Gefühl von Ungeduld. Ich telefoniere Freunde und Bekannte durch. Ich höre Attribute, wie ‚müde‘, ‚genervt‘, ‚niedergeschlagen‘.

Mütter sind überfordert, Alleinerziehende funktionieren nur und diejenigen, die im Handel und der Dienstleistungsbranche arbeiten seufzen. Nur zwei von dreiundzwanzig Personen antworten auf die Frage: „Wie geht es Dir?“ mit „Gut!“.

Welche Farbe würden Sie der Stimmung ‚gut‘ geben? Auf der Online-Farbskala des schwedischen Künstlers Erik Krikortz habe ich bei dieser Frage auf Orange geklickt. Ich habe Erik 2008 bei einem Vortrag irgendwo in Europa kennengelernt.

Er war auf Reisen, um seine interaktive Kunstinstallation vorzustellen, ich war am selben Ort, um über genau solche Stimmungsmacher zu berichten. Erik lud die Menschen in vielen Städten rund um den Globus ein, diese kulturübergreifende Frage zu beantworten:

„Wie geht es Ihnen heute?“

Die TeilnehmerInnen äußerten ihr Gefühl, indem sie auf der Webseite http://www.emotionalcities.com/ auf ein Farb-Smiley klickten. Erik fragte unterschiedliche Faktoren ab, wie ausgeruht, gestresst oder fit man sei und wie inspiriert man sich in den letzten 24 Stunden gefühlt habe.

Die Ergebnisse wurden dann gemittelt und nach Regionen aggregiert, um eine Einschätzung dafür zu bekommen, wie sich eine Stadt insgesamt wahrnimmt. Auf den Fotos, die ich von Erik erhielt, fühlte sich Sao Paulo zum Zeitpunkt der Aufnahme gelb, Washington DC grün und Helsinki war gar nicht gut drauf.

Die Farbe violett wurde auf Wohnhausfassaden projiziert, die sich hoch über der Stadt befanden und der Bevölkerung vermittelten, dass emotional der Hut brennt.  

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Krikortz hatte Psychologie studiert und befasste sich in seiner Kunst mit der Frage, wie man grundlegende psychologische Fragen mit einer Verbindung zu Gesellschaft und Politik öffentlich diskutiert.

Die Lichtinstallationen dieses global durchgeführten Projektes wurden nicht nur als riesiges Kommunikationswerkzeug genutzt; die fehlende positive Stimmung in manchen Städten wurde vielerorts auf politischen Bühnen diskutiert. Fast tausend Städte beteiligten sich am Projekt.

Smile though your heart is aching

Etwas über 10 Jahre später greift die HafenCity in Hamburg zur künstlerischen Form eines Stimmungsbarometers. Noch immer ist es ein Smiley, aber nun sind es die drei Künstler Julius von Bismarck, Benjamin Maus und Richard Wilhelmer, die die interaktive Skulptur mit Daten aus Überwachungskameras füttern, die auf PassantInnen gerichtet sind.

Die Bilder, die diese Kameras liefern, werden von einer Software ausgelesen, die die gelieferten Gesichtsausdrücke in vier Kategorien sortiert: glücklich, traurig, überrascht und wütend. Auch hier errechnet die Software aus den Gesichtsausdrücken der Passanten den Mittelwert und schickt das Ergebnis an den Smiley.

Der kann dann zornig werden und die Neonmundwinkel nach unten kippen. Wenn er traurig wird, leuchten in den Augen zwei waagerechte Röhren und suggerieren Tränen. Selbstverständlich kann er auch lächeln – dann spricht sich die positive Stimmung des Stadtviertels herum. Dann wissen alle in der HafenCity: Alles jut.

Aber was passiert, wenn der Smiley über einen sehr langen Zeitraum schlechte Laune hat? Wird dann vorsichtshalber die Polizei gerufen? Die Kuratorin Ellen Blumenstein meinte in einem Interview mit Zeit.de, dass man dann eher der Stadtmarketing-Abteilung Bescheid geben müsse.

Was können künstlerische Interventionen in einem Stadtraum bewirken? Was geschieht mit einem Ort, wenn KünstlerInnen ihn mit Poesie aufladen, durch eine kritische Betrachtung mit einer generellen Stimmungslage in Verbindung setzen und erst damit gesellschaftlichen Schmerz sichtbar machen?

Labyrinth der Fragen

Dazu wurden die BesucherInnen des Kulturfestivals Montforter Zwischentöne auf einem zweistündigen Rundgang durch Feldkirch im vergangenen Advent befragt.

Ein Labyrinth sollte es sein, zu verborgenen Orten der Altstadt und hinein, zur Mitte des eigenen Leben. Caroline Stark inszenierte elf Stationen mit selten gestellten Fragen nach Wünschen, noch nicht gelebten Projekten und angepeilten Veränderungsplänen.

In einer Zeit der physischen Distanz bot diese Intervention in Feldkirch die Möglichkeit, den eigenen Kurs auf seinem Lebensweg zu überdenken. „Es war ein Spaziergang, der einen an ungewöhnliche Orte, wie Innenhöfe, Hotelzimmer und Telefonzellen brachte, aber vor allem eines tat: eine unglaublich berührende Erfahrung bot“, sagte Stadtmarketingchef Edgar Eller.

Hier einige Beispiele der Intervention:

Die erste Station der Installation ‚Wozu noch warten?‘ im Rahmen der Montforter Zwischentöne – Foto: Magdalena Türtscher

Station 3 lotste die TeilnehmerInnen in die Arthur-Conan-Doyle Gasse und fragte: „Wer waren die Menschen in deinem Leben, die dich am meisten gefördert haben?“

Montforter Zwischentöne – Foto: Magdalena Türtscher

Station 5 fand sich in einer Studentenwohnung und fragte: „Schau auf deine aktuelle Situation aus der Perspektive eines jungen Menschen. Was würdest du als 20-Jährige(r) zu dir in diesem Augenblick sagen?“

Zur Station 9 stieg man auf den Pulverturm, wo die BesucherInnen folgende Fragen erwarteten: „Was sind nun konkrete erste Schritte … in den nächsten drei Tagen? … in den nächsten drei Wochen? … in den nächsten drei Monaten?“

Montforter Zwischentöne – Foto: Magdalena Türtscher

Corona schürt kreative Geschäftsmodelle

Viele Betriebe gestalten ihren Verkauf im Corona Lockdown einfach um, zeigen Sinn für innovative Geschäftsmodelle und öffnen weiter. So hat „Blumen Peters“ in Bremerhaven einen Drive-in für Blumen eingerichtet. Kunden können vom Auto aus Blumen bestellen.

Dazu müssen sie ihr Fenster nur einen kleinen Spalt öffnen, um die gewünschten Pflanzen zu bestellen. Die Mitarbeiter stellen die Waren dann in den Kofferraum.

Von der Genuss- zur Antidepressionsbox

In vielen Städten Österreichs zeigen UnternehmerInnen und GastronomInnen, wie resilient und kreativ sie sind. In Salzburg schlossen sich sechs UnternehmerInnen zusammen und befüllten eine „erlebnisreiche Genuss-Box“.

Dazu gehören eine Porzellanschüssel, kandierte Früchte, Schuhputzzeug, Tee, ein Nähset und eine Flasche Wein. Dazu galt es ein Rätsel über die Geschichte der Altstadt zu lösen. Die Fragen wurden mit Unterstützung des Vorstands des Salzburger Stadtvereins formuliert.

Foto (c) Evi Buttinger

Drive-in-Gottesdienste seit Corona voll im Trend

Der Auto-Gottesdienst ist für Priester und Schäfchen eine neuartige Erfahrung. Die Autos bieten den Menschen den nötigen Schutz und das Bedürfnis nach dem Gottesdienst ist bei vielen Gläubigen da.

„Die große Besucherzahl zeigt uns das Bedürfnis nach Gemeinschaft, das Gefühl zusammen zu sein und nicht alleine in Häusern und Wohnungen zu sitzen“, äußern sich zahlreiche Pfarrvertreter in Österreich. Es gibt eigene Radiofrequenzen, die den Gottesdienst in die Autos übertragen.

Wir werden uns auch lange nach Ende der Corona-Krise an Aussagen wie der folgenden erfreuen. Der Salzburger Pfarrer Franz L. verabschiedet sich nach Ende der 15h Auto-Mette mit den Worten: „I woaß, ihr woits eure Autos jetzt starten, dahoam wartet schon ein schöner Weihnachtsbratn.“

Kreative Schiregionen

Im kleinen familienfreundlichen Skigebiet St. Jakob im Walde in der Steiermark befindet sich eine weltweit einzigartige WC-Anlage. Es ist ein distanzwahrendes Durchfahr-Klo mitten auf der Piste.

Die SkifahrerInnen können es benutzen, ohne sich vorher die Skier abschnallen zu müssen. Bei den Kleinen und den Damen funktioniert das Klo weniger im Durchzug, kommt aber ob des entzückenden Designs auch gut an.

Durchfahr-Klo in St. Jakob im Walde – Foto: Daniela Krautsack

Wie ein roter Faden

Nicht rot, sondern grün zieht sich ein Leitfaden durch Nantes. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sind durch eine 12 km lange Wanderroute verbunden, die auf Plänen und Karten grün markiert und auf der Straße grün gestrichen ist. Die grüne Leitlinie wirke wie ein Magnet, erzählen BesucherInnen von Nantes. Gute Orientierung schafft immer ein Gefühl der Sicherheit – in Zeiten der Krise wie auch in Zeiten ohne Krise. Leitlinien, wie jene in Nantes stellen jedenfalls einen unkonventionellen Weg dar, Geschichten und Botschaften zu vermitteln.

Interventionen in Städten
Ligne verte, parcours Voyage à Nantes © Nautilus Nantes

Kärntens schönstes Wohnzimmer

Ein Instagram-Foto hier, eine Facebook-Story da – die sozialen Medien haben die Villacher Innenstadt letzten Sommer zum „Schönsten Wohnzimmer Kärntens“ gemacht.

Die Vorgabe lautete, die Stadt mit dekorativen Sonnenschirmen, großen beleuchteten Lampenschirmen, neuen Sitzgelegenheiten und einer Vielzahl an Covid19-angepassten Gastgarten-Musikveranstaltungen in eine Wohlfühl-Oase zu verwandeln. Mittwochs und Freitags lud die Innenstadtwirtschaft zu Shopping-Nights bis 21 Uhr ein.

Auch die Villacher Tradition und das Brauchtum wurden nach Absage des traditionellen Villacher Kirchtags kurzerhand zum Lederhosen- und Dirndl-Tag umfunktioniert. 2021 soll dieses Erfolgskonzept in der Draustadt weiterentwickelt und der aktuellen Pandemie-Situation entsprechend angepasst werden.

Kärntens schönstes Wohnzimmer im urbanen Raum Villachs (c) Stadtmarketing Villach / Gillner

Immer wieder Danke sagen

Wem wollten Sie schon immer mal ‚Danke‘ sagen? Das fragte das ORF-Team der Sendung ‚A-Team‘ im November des letzten Jahres in der Altstadt Salzburg. „Danke der wundervollsten Mami der Welt“, war da zu hören.

„Ich möchte meinem Team in der Arbeit ‚Danke‘ sagen, dass sie für mich da waren, als ich wegen einer OP lange ausgefallen bin.“

Interventionen in Städten
Das A-Team für Österreich lud zum Danke sagen ein – Foto: ORF/sandrats

Einen ganzen Tag lang hatten die SalzburgerInnen die Möglichkeit, Blumen von großen Danke-Buchstaben zu pflücken.

Interventionen in Städten
Das A-Team für Österreich stellte blumengespickte Danke-Buchstaben in der Altstadt Salzburgs auf – Foto: ORF/sandrats

Manchmal braucht es Interventionen in einem Land, in dem die Sonne nicht immer scheint. Da braucht es einen Funken Humor, und das Bewusstsein dafür, dass es uns im Vergleich zu Menschen, die in Ländern mit größeren Herausforderungen leben, richtig gut geht.

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Wir brauchen solche Bewegungssensoren in unseren Städten. Für die Traurigen und Genervten und Müden, wie mich. Und die Hoffnungsvollen, die wie Churchill sagen: Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter.

Lesen Sie auch diesen Blog über urbane Interventionen in der Weihnachtszeit: https://www.stadtmarketing.eu/weihnachten-trotz-corona/

Titelbild: Kärntens schönstes Wohnzimmer im urbanen Raum Villachs (c) Stadtmarketing Villach / Gillner

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Daniela Krautsack

Ausgebildete Media-Strategin und Media-Managerin, Trendforscherin

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