
Standortmarketing nimmt eine zentrale Rolle ein, wenn es darum geht, Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte zu halten oder von einer Ansiedelung in der Region zu überzeugen. Angesichts des demographischen Wandels und der durch das Internet ausgelösten Marketingrevolution müssen Städte und Regionen in Österreich ihr Standortmarkting neu definieren. Wir zeigen Ihnen Best Practice Beispiele, wie digitales Standortmarketing effizient umgesetzt werden kann.
Digitales Standortmarketing als Teil der Strategie
Um die Wettbewerbsfähigkeit einer Region zu steigern, sollte sich die Standortstrategie verstärkt auf digitale Kanäle stützen. Klassisches Marketing wie Printprodukte oder Veranstaltungen sind aufgrund der digitalen Vernetzung vieler Nutzer nur mehr als ein Element der Standortstrategie zu sehen.
Eine Imagebroschüre mag zwar zur Verteilung per Post, auf Messen, in Hotels oder anderen Hotspots sinnvoll sein. Die Fotos und Inhalte der Broschüre sollten jedoch im Sinne eines ausgewogenen Maßnahmenmix auch online kommuniziert werden. Das kann beispielsweise bedeuten, die Fotos aus der Broschüre gleichzeitig bei Instagram zu vermarkten. Ein Imagevideo bei Facebook und Youtube einzustellen und die Inhalte auf der Website und im Blog zu veröffentlichen.
Viele Wirtschaftsförderer erkennen, dass modernes, digitales Standortmarketing gefragt ist. Der Trend zur Digitalisierung im Standortmarketing lässt sich auch aus der in Deutschland durchgeführten index-Expertenbefragung „Trends im Standortmarketing 2016“ ablesen.
Social Media und Videos werden laut dieser Studie verstärkt für das Standortmarketing eingesetzt. Sehr viel Potential bleibt jedoch ungenutzt. So arbeiten nur 42,6 Prozent der Befragten mit Social Media und lediglich 5,9 Prozent mit Blogs. Auch verfügen nur knapp 35 Prozent über eine responsive Website.

Quelle: Expertenbefragung “Trends im Standortmarketing 2016”, index Agentur
Mit Social Media relevante Zielgruppen erreichen
Social Media eröffnen neue Möglichkeiten, um mit potentiellen Investoren und Fachkräften in Kommunikation zu treten und das Image einer Stadt oder Region aufzubauen. Während in den USA im Standortmarketing bereits intensiv mit Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter, Youtube oder LinkedIn gearbeitet wird, nutzen Wirtschaftsförderungen in Europa das Potential dieser Kanäle noch vergleichsweise wenig. Das bestätigt auch das Ergebnis der index-Expertenbefragung. Die Social Media-Nutzung stieg im Vergleich zu 2015 zwar an, aber die Zurückhaltung der Wirtschaftsförderer bei Social Media-Plattformen ist immer noch sehr hoch. Obwohl sie von den Befragten als sehr wichtig erachtet werden. Die Gründe für diese Zögerlichkeit liegen zum einen in einem Mangel an Erfahrung mit Social Media, zum anderen werden Ausgaben aufgrund knapper Budgets gescheut.
Dies ist insofern nachvollziehbar als eine erfolgreiche Anwendung von Social Media eine zielgerichtete Social Media Strategie, die Auswahl der passenden Social Media Kanäle, einen Umsetzungsplan sowie die Einführung eines effizienten Monitoring-Systems erfordert. Dafür ist Know-how nötig. Die Einbeziehung eines Social Media-Experten ist daher empfehlenswert. Die Investition ist jedenfalls gut angelegt, denn Social Media bieten Möglichkeiten. Auch mit kleinen Budgets wichtige Zielgruppen ideal zu erreichen.
Best Practice Beispiel: Die Standortmarketing Agentur Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie effektives Social Media Marketing auf insgesamt sechs Social Media-Plattformen (Facebook, Twitter, Xing, Linkedin, Google+, Youtube) funktionieren kann.

Der Blog im Standortmarketing
Der Blog ist ein sehr effektives Marketingtool aus dem Bereich Content Marketing, das noch viel zu wenig im Standortmarketing zum Einsatz kommt. Dabei eignet er sich hervorragend, um die Stärken eines Standortes transparent zu machen und den Standort zu bewerben. Menschen lieben Geschichten. Erzählen Sie relevante Geschichten über alles, was Investoren, Fachkräfte oder andere Zielgruppen interessieren könnte. Das können Geschichten über Unternehmen, spezielle Produkte, kulturelle Highlights oder Menschen in der Region sein. Sie müssen auch nicht alle Blogs selbst verfassen. Holen Sie sich bereits ansässige Firmen als Partner ins Boot und bieten Sie ihnen eine Plattform zur Veröffentlichung von Beiträgen.
Wie effektiv ein Blog zur Bewerbung einer Schwerpunktbranche sein kann, zeigt der Blog „log in. berlin.“ Der Blog ist Bestandteil der digitalen Standortmarketingstrategie der Wirtschaftsagentur Berlin. Er wurde zur Vermarktung der IT und digitalen Wirtschaft Berlins ins Leben gerufen.

Ein weiteres Best Practice Beispiel für effektives Content Marketing ist die Südtiroler Plattform „Was uns bewegt“. Mehr dazu finden Sie bei „So funktioniert preisgekröntes Contentmarketing“.

Mobilität erfordert eine responsive Website
Ein stark unterschätzter Aspekt im Standortmarketing ist das Erfordernis einer responsiven Website. Diese erlaubt eine ansprechende Präsentation des Standortes auf allen mobilen Geräten. In Österreich lag laut Statista im Jahr 2016 der Anteil der Nutzer mobiler Endgeräte bereits bei 67 Prozent. Im Vergleich zu 2014 bedeutet dies einen Anstieg von neun Prozent in nur zwei Jahren. Menschen sind mobiler und möchten über jedes Endgerät Informationen rasch und übersichtlich abrufen. Da sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird, ist eine zeitgemäße, responsive Website unabdingbar, wenn man das volle Potenzial des Standortes erschließen möchte.
Best Practice Beispiel: Die sehr professionell gestaltete Website der oberösterreichischen Standortagentur „Business Upper Austria“ ist responsiv gestaltet. Ruft man die Seite über das Handy auf, erscheint ein übersichtliches, gut lesbares Menü. Die Menüführung erlaubt die rasche Navigation zu den gewünschten Informationen, ohne zoomen oder scrollen zu müssen. .

Mit Videos Investoren gewinnen
Videos werden bei Nutzern immer beliebter. Sie sind daher auch für das Standortmarketing von hoher Relevanz. Das spiegelt auch die index-Expertenbefragung mit einem Anstieg von null auf fast 19 Prozent in nur einem Jahr wider. In vielen touristisch geprägten Kommunen gibt es bereits Imagefilme, die Highlights der Tourismusregion in den Mittelpunkt stellen. Ein Imagefilm kann aber auch ein wichtiges Instrument für die Gewinnung von Investoren und Fachkräften sein.
Best Practice Beispiel: Ein sehr gut gelungenes Video ist der Imagefilm der INVEST REGION LEIPZIG. Unter dem Motto „Starke Region – starke Bilder“ wird die Botschaft „Bessere Investitionsmöglichkeiten gibt es nirgendwo“ durch die Darstellung namhafter regionaler Unternehmen, Institutionen und kultureller Highlights sehr kraftvoll transportiert. Weitere kreative Beispiele zur Inspiration finden Sie unter „I amsterdam – a city for all“ und „Was innovative Sachsen erotisch finden“.

Punkten Sie mit einem regionalen Jobportal
Eine internetbasierte Jobplattform, die aktuelle Jobangebote in der Stadt oder Region zeigt, ist ein effizientes Tool, um Fachkräfte für die Region zu gewinnen und potentielle Investoren zu überzeugen. Es profitieren davon natürlich auch jene Menschen, die bereits in der Region wohnen und einen Job suchen. Interessant ist die Jobplattform auch für „Heimkehrer“, die beispielsweise nach einem Auslandsaufenthalt oder Studium wieder in der Region arbeiten möchten. Ebenso für „Mitziehende“, deren Partner als Fachkraft in der Region ein neues berufliches Tätigkeitsfeld gefunden haben.
Idealerweise sollte das Jobportal in die Website der Stadt bzw. Region oder des Wirtschaftsförderungsportals integriert werden. In Österreich besteht diesbezüglich noch sehr viel Potential. Meist wird der regionale Stellenmarkt von privaten Anbietern bedient und nicht aktiv als Tool im Standortmarketing eingesetzt.
Best Practice Beispiel: Sehr ansprechend umgesetzte Jobplattformen, die jeweils im Wirtschaftsförderungsportal der Region integriert sind, findet man bei der „Invest Region Leipzig“ und „Wirtschaftsförderung Region Meißen“. Einen Mehrwert bietet Leipzig durch zusätzliche Informationen zum Thema „Leben und Arbeiten in Leipzig“.


Transparenz durch digitales Datenmanagement
Die anhaltende Digitalisierung beeinflusst das Nutzungsverhalten von Zielgruppen. Investoren recherchieren im Internet, bevor sie mit einer Wirtschaftsförderungsabteilung in Kontakt treten. Wenn es Daten zu einem Standort gibt, dann werden Investoren diese auch finden. Das bedeutet, Standorte müssen mit ihren Vor- und Nachteilen offen und transparent umgehen.
Die eigene Aufbereitung interessanten Datenmaterials rund um den Standort bietet den Vorteil, die Darstellung aller relevanten Informationen selbst steuern zu können. Wenn Unternehmen ihre Informationen aus anderen Quellen für ihre Standortanalysen beziehen, bleibt die Wirtschaftsförderungsabteilung außen vor. Sie wird in der Regel erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Entscheidungsfindung miteinbezogen.
Die Attraktivität eines Standortes erhöhen
Natürlich nutzen Städte und Gemeinden in Österreich bereits Zahlen und Fakten für ihr Standortmarketing. Echte Transparenz entsteht jedoch erst dann, wenn die Daten zum Standort durchsuchbar und vergleichbar gemacht werden. Dazu müssten auch Daten der statistischen Ämter aufbereitet und in die Datenbank integriert werden.
Die Information, dass viele Universitätsabsolventen in der Region bleiben, könnte beispielsweise für einen Investor ein wichtiger Faktor sein. Transparent wird diese Information allerdings erst dann, wenn man sie in Bezug zur Arbeitslosenquote in der Region setzt. Insbesondere dann, wenn praktisch Vollbeschäftigung herrscht.
Eine übersichtlich gestaltete Plattform, die dem potentiellen Investor internetbasierte, transparente Informationen zur Verfügung stellt, erhöht somit die Attraktivität des Standortes und die Chancen auf neue Betriebsansiedelungen. Sehr weit fortgeschritten sind in diesem Bereich amerikanische Wirtschaftsförderer. Diese stellen Daten bereits so zusammen, dass Investoren damit sehr gut arbeiten können.
Best Practice Beispiel: Die Website der Wirtschaftsförderung Denver stellt in einem interaktiven Portal neben zahlreichen anderen relevanten und hilfreichen Informationen, umfassende statistische Daten zu Demografie, Konsumausgaben, Arbeitsmarkt und Talentepool zur Verfügung.

Die amerikanische Stadt Savannah (Georgia) geht noch einen Schritt weiter. Sie vergleicht sich mit seiner Nachbarstadt, mit seinem Bundesstaat und mit den USA insgesamt. Als demografische Datenbasis werden Zahlen aus den Jahren 2000, 2010 und 2015 aufbereitet. Durch die grafische Darstellung lassen sich Unterschiede schnell erfassen.

Quelle: Standortmarketing in der Wirtschaftsförderung, Stefan Lennard & David Stakemeier , 2017
Fazit: Standortmarketing wird digitaler
Um sich in einer globalisierten Welt einen Standortvorteil zu verschaffen, brauchen Wirtschaftsförderer eine Kommunikationsstrategie, die aktuellen Trends im Standortmarketing wie Digitalisierung, Mobilität und Transparenz Rechnung trägt. Nur Wirtschaftsförderer, die auf diese Herausforderungen aktiv reagieren, werden ein zukunftsfähiges Standortmarketing betreiben. Und bei ihren Zielgruppen wahrgenommen werden.






