Podcast Stadtmarketing Austria: Edgar Eller im Gespräch mit Dietmar Nigsch

27.01.2022
Kultur

Unbenannt

Hallo und herzlich willkommen beim Podcast von STAMA Austria, dem Dachverband der österreichischen Stadtmarketing-Organisationen. Einmal im Jahr trifft sich der Dachverband zur sogenannten DenkwerkStadt, um über die Zukunft der Städte und die Möglichkeiten, diese Zukunft zu gestalten, nachzudenken.

Eingeladen sind neben den Kolleginnen und Kollegen aus Österreich auch immer Expertinnen und Experten aus der Soziologie, der Philosophie, Architektur, der Kultur oder der Regionalentwicklung. Neben dem direkten Austausch in der DenkwerkStadt laden wir Sie auch immer zum Gespräch für unseren Podcast, wenn wir schon mal die Möglichkeit haben, uns mit Ihnen zu unterhalten.

 

Mein heutiger Gesprächspartner ist Dietmar Nigsch. Dietmar ist Schauspieler und Theatermacher. Vor allem aber ist er Kurator eines ganz besonderen Festivals, des „Walserherbsts“ im großen Walsertal. Der Walserherbst schafft es wie wenige andere Festivals, Impulse für die Regionalentwicklung zu setzen.

 

Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher
Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher

 

Wie Dietmar das macht, wie aus Leerständen Möglichkeitsräume werden und was der Kirchgang mit Kunst und Kultur zu tun hat, erzählt er mir in unserem Gespräch in der Propstei Sankt Gerold.

Mein Name ist Edgar Eller, ich bin Vizepräsident von STAMA Austria.

 

Edgar Eller (c) Magdalena Türtscher
Edgar Eller (c) Magdalena Türtscher

 

 

 

Das Interview zum Nachlesen:

Edgar Eller: Schön, dass du da bist, Dietmar, dass du dir die Zeit nimmst, obwohl du im Vorbereitungsstress für den Walserherbst bist, der bald beginnt. Wahrscheinlich ist jetzt die heiße Phase?

Dietmar Nigsch: Ja, vor allem jetzt ist die heiße Phase. Am Freitag müssen wir für das Programmheft alles abgeben.

Edgar Eller: Oh wow, also das Programm steht schon komplett?

Dietmar Nigsch: ja, es steht schon ziemlich. Das Korrigieren passiert jetzt, aber das Programm steht ganz.

Edgar Eller: Super.

Dietmar Nigsch: Du kennst ja die Phase des wahnsinnigen Korrigierens. Alles ist genau abzuklären. Aber wir haben den ganzen Donnerstag und Freitag Zeit.

Edgar Eller: Sehr gut.

Dietmar Nigsch: Da gehen wir in Klausur.

 

Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher
(c) Magdalena Türtscher

Edgar Eller: Wie geht es der Kultur im Sommer 2021?

Dietmar Nigsch: Ich bin sehr optimistisch. Es geht ihr sicher sehr gut, denke ich. Wir haben dieses Jahr auch viel Programm mit den Walsern.

Die haben wir immer schon mit einbezogen, aber diesmal ist doch Einiges gekommen. Ich finde es spannend, wenn sich die Menschen von sich aus fragen, ob sie etwas hätten. Fragen, ob sie mitmachen können. Ich sehe, was sie haben und beziehe sie dann mit ein.

Edgar Eller: Was mich am Walserherbst seit Beginn am meisten fasziniert, ist, dass du es schaffst, hier ein Festival mit der Bevölkerung zu machen. Nicht nur für, sondern mit der Bevölkerung. Und das in einem Tal, von dem man so weitläufig sagt, es ist ein Bergtal und nicht wahnsinnig kulturaffin. Das wäre vielleicht die erste Reaktion. Trotzdem hast du enorm viele Leute, wie du es gerade beschrieben hast, aus dem Tal, die in irgendeiner Art und Weise gerne Teil davon sind. Wie schafft man so etwas?

Dietmar Nigsch: Ich habe mir immer gedacht, seitdem ich das gemacht habe, dass ich eigentlich keine Kultur ins Tal bringen muss. Ich muss sie nur ein bisschen wecken. Und das Gefühl habe ich schon, dass sehr gute Leute da sind. Ich habe einfach ein Impulsfestival gemacht. Ich habe es immer als einen Impuls gesehen, zu sagen, macht mit!

Am Anfang ist ja auch ein bisschen die Angstkultur vorhanden. Man ist vielleicht doch selber schuld, wenn jemand sagt, das versteh ich nicht. Oder nachfragt, wie muss ich das verstehen? Oder es ist eine Sprache, die ich nicht verstehe. Ich mache es auf der einen Seite sehr niederschwellig und auf der anderen Seite hole ich dann wirklich professionelle, gute Leute her. Dieses Zusammenspiel funktioniert eigentlich sehr gut.

 

Edgar Eller: Wie weckt man Kultur in so einem Tal? Bist du jemand, der sich quasi auf die Suche nach Dingen macht? Da könnte was drinstecken? Bist du jemand, der etwas entdeckt in der Kultur?

Dietmar Nigsch: Nachdem ich vom Theater komme, sehe ich das Walsertal fast wie ein Bühnenbild. Ich gehe oft von Orten und Räumlichkeiten aus. Die sind geprägt von den Menschen, die dort leben.

Es gibt so viele Orte und Räumlichkeiten, die danach schreien, dass man mit ihnen was macht – etwas Neues macht, das ihnen eine Funktion gibt. Ich bin eigentlich sehr neugierig. Dadurch dass ich in Wien wohne, in der Stadt, höre und sehe ich viel. Ich schaue mir viel an. Dann stelle ich mir die Frage, wie lässt sich etwas auch auf das Land übertragen?

Das ist gar keine so große Sache. Man kann es natürlich nie 1:1 übertragen. Aber eine Idee als solche, die man als interessant empfindet, könnte auch dem Tal und den Menschen hier gut tun. Wie zum Beispiel seit längerem diese freien Räume in den Gemeinden.

 

Das finde ich ganz wichtig, diesen öffentlichen Raum.

Vor Jahren, als ich angefangen habe, habe ich mich gefragt, der öffentliche Raum, was soll das? Wir haben eh unseren Garten, etc. Aber immer mehr finde ich dort Zentren. Dort hat die Kultur vielleicht die Aufgabe, die früher die Kirche in der Messe hatte oder der Konsum(markt). Ich habe etwa die Lehre im Konsum gemacht.

Wir hatten am Sonntagvormittag immer geöffnet, so dass die Leute auch einkaufen konnten. Dann ging man ins Gasthaus.

Das fällt jetzt alles weg, weil es zum Teil Wohngemeinden geworden sind. Das finde ich sehr schade. Ich glaube, dass das Bedürfnis schon da ist, ein Zentrum zu haben, wo man sich trifft. Wo man nicht mal konsumieren muss! Das wäre mein Ideal! Sich einfach treffen kann und wo auch Räume zur Verfügung stehen.

Für mich ist zum Beispiel der Ort Blons eine ideale Geschichte. An der bzw. dem Raum ich jetzt auch sehr dran bin. Es ist unwahrscheinlich schwer, die Autos nicht auf dem Platz zu parken, der eigentlich der Dorfplatz ist. Es fängt bei so kleinen Dingen an. Man fährt bis es nicht mehr geht. Dieses Allgemeingut, das der Raum ist.

 

Darum ist die Beschäftigung mit dem Verkehr seit längerem genau das richtige Thema. Und für mich ist das Thema auch der Platz.

Edgar Eller: Genau. Auf das Thema Mobilität kommen wir später nochmal zurück. Ich würde aber zunächst gerne auf das Thema der öffentliche Raum und der Freiraum, wie du es genannt hast, eingehen. Du hast schon mal bei einem Festival ein Gasthaus temporär wiederbelebt. Um – wenn ich es richtig verstehe – auch aufzuzeigen, welche Rolle ein Gasthaus früher hatte.

Du hast gerade beschrieben, dass diese Funktionen, auch in kleineren Orten nach und nach verloren gehen. Das heißt, das was früher ein unhinterfragter öffentlicher Raum war – in der Soziologie redet man von dritten Orten – , in denen ich neben Wohnen und Arbeiten, vor allem ich selber sein kann. Das war früher etwa dieses Gasthaus. Das fällt jetzt weg.

Dietmar Nigsch: Auch die Kirche natürlich.

Edgar Eller: Natürlich, absolut. Das heißt du versucht, unter anderem mit deinem Festival zumindest eine Ahnung wiederzugeben? Ein Festival alleine reicht natürlich nicht aus, um wirklich wieder dauerhaft ein Gasthaus zu etablieren.

 

Aber wenn ich dich richtig verstehe, versuchst du mit deinen Formaten ein stückweit zu zeigen, was Orte, etwa Gasthaus, oder ein Dorfplatz für eine Funktion haben könnten? Du machst also Möglichkeitsräume auf?

Dietmar Nigsch: Ich mache eigentlich temporäre Räume auf. Damit möchte ich einfach die Sehnsucht nach so etwas wecken. Das Bedürfnis ist da. Wenn man einmal erlebt, dass ein Dorfplatz wie in Blons, einfach lebendig ist, dass dort viel passiert –  mit der Kultur schöne Dinge passieren und die Leute wirklich fast täglich dort sind, dann ist die Sehnsucht geweckt.

Wir haben zum Beispiel das Gasthaus Gämsle aufgemacht, von dem ich immer überzeugt war, dass sie dort unbedingt etwas machen müssen. Ich finde es so toll, dass sie es selber betreiben, sonst hätten sie es gar nicht. Das ist so wertvoll und das unterstütze ich auch immer wieder.

 

Edgar Eller: Also für diejenigen, die jetzt diesen Podcast hören und den Ort nicht kennen: Die Gemeinde hat einen Verein bzw. die Bürger der Gemeinde haben einen Verein gegründet, um selber ein Gasthaus zu betreiben.

Dietmar Nigsch: Ja, es selber zu betreiben. Ich kenne das schon von Leuten, von Pächtern. Ich habe 3 bis 4 Pächter erlebt, denen die Fantasie zu so etwas fehlt. Du brauchst wirklich Fantasie und man kann nicht warten und Daumen drehen, bis jemand vorbeikommt, sondern man muss einfach etwas anbieten. Das heißt, es muss optisch stimmen. Ich finde es funktioniert, dass es der Verein macht, und ich unterstütze sie sehr.

Gerade dem Walsertal, das für mich das Naherholungsgebiet von der Stadt ist, fehlt eine gute Gastronomie. Die ist einfach ziemlich dünn gesät. Wenn ich nach Fontanella schaue, dort habe ich auch immer gesagt, macht doch irgendwas aus diesem alten Gebäude, wo jetzt das Kaffeehaus ist.

Wenn die Leute etwas wollen, entsteht es auch. Der Bürgermeister hat eine Umfrage gemacht: Möchten Sie ein Gasthaus? Jetzt haben sie ein Kaffeehaus.

 

Edgar Eller: Du bist Künstler. Du kommst vom Theater, du bist Theatermacher. Das heißt, du bist ein unglaublich visionärer und kreativer Kopf. Unsere Kollegen und Kolleginnen arbeiten quasi als Netzwerk-Manager im weitesten Sinne. Sie versuchen, Dinge zu ermöglichen in ihrer Stadt, in ihrem Ort.

 

Wie können sie sowas wie dich oder wie deine Projekte unterstützen? Ich meine das nicht monetär, sondern in dem Sinne, was braucht es für Fähigkeiten von einem Stadtgestalter oder einer Stadtgestalterin, die das Gefühl hat, sie möchte mit Kunst und Kultur Impulse setzen?

Du hast dieses ganze Tal über viele Jahre wirklich massiv belebt. Nicht nur während des Festivals, sondern in der ganzen Haltung, in der Selbstwahrnehmung, auch in Dingen, die geblieben sind. Wie zum Beispiel die Schwefelquelle. Aber vor allem tatsächlich in der eigenen Haltung. So etwas braucht jeder Ort permanent. Und jede Stadt.

Was brauchst du für Komplizen, dass so etwas funktioniert?

Dietmar Nigsch: Ich habe es vielleicht ein bisschen leichter gehabt, weil ich ein Walser bin und weil mich fast alle kennen. Es muss aber nicht unbedingt sein und ist nicht notwendig. Es ist das Vertrauen, das ich in den Gemeinden bekommen habe.

Dass sie sagen: Ja! Macht das! Wir glauben das! Obwohl sie vielleicht sagen, nicht gleich drei Wochen, sondern nur eine Woche. Im Endeffekt ist es fast die gleiche Arbeit für eine oder drei Wochen. Ich wollte, dass sich die Dramaturgie durchzieht. Sie haben mir das Vertrauen geschenkt und mich auch finanziell unterstützt. Das hat es zuvor nicht gegeben.

 

Ich habe gesagt, es ist für euch! Es kostet auch etwas. Es geht nicht, dass Kultur nichts kosten darf oder kosten sollte. Wir haben ein Kulturbudget bekommen mit allem.

Die Propstei ist auch ein Beispiel, bei dem man es so managt und so macht.

Edgar Eller: Also du bist Paradebeispiel, bei dir hat es funktioniert.

Dietmar Nigsch: Es hängt natürlich – wie überall – immer an einer Person, die einfach das Zugpferd ist. Man macht es überhaupt nicht allein! Da wäre man verloren auf weiter Flur. Man braucht Verstärkung. Ein gutes Team, das sehr offen ist und das zulässt. Die vielen Gespräche und auch die Auseinandersetzung.

Ich merke immer, wenn ein neuer Bürgermeister kommt. Früher sind die Kulturverantwortlichen nie gekommen. Es liegt so sehr am Bürgermeister, wie es dann passiert und dass dieser es zulässt. Zu sagen, okay nicht das erste Wort, das ich höre, ist schwierig, sondern es ist eine Herausforderung.

Man muss die Gesprächsbasis, das Forum schaffen können, wo das möglich wird.  Diesen Raum. Oft gibt es diese und jene Ämter und über die Kultur spricht man dann in einer Art Sitzung. Fast protokollarisch, dass man so und so entscheidet. Mir fehlt genau dieser Raum, wo einfach verschiedene Menschen zusammenkommen.

Dass man einfach nur zusammenkommt, etwas trinkt und nicht immer gleich das Resultat  im Vordergrund steht. Etwa einen runden Tisch, der regelmäßig stattfindet und zu dem Leute dazu kommen könnten. Es muss nicht sein, man führt das so offen. Diese Vordenken oder dieses visionäre Denken. Das sind so unterschiedliche Sachen, die sehr, sehr wichtig sind.

 

Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher
Arbeiten mit Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher

 

Edgar Eller: Das heißt, man könnte euch Künstlern oder auch euch Gestaltern ein Stück weit diese Vorarbeit abnehmen und den Nährboden aufbereiten, dass dann etwas entstehen kann.

Zum Beispiel indem man solche Runden anbietet und dafür sorgt, dass es warm ist. Und einen Raum reserviert. Aus diesen Gesprächen, die dann komplett ergebnisoffen laufen, kann was entstehen. Ohne dass man eine Agenda hat, ohne dass man sagt, wir planen jetzt für die nächsten drei Monaten, sondern erst einfach mal schaut, was möchte entstehen.

Dietmar Nigsch: Das sind diese Vorprozesse, bis etwas entsteht.

Wenn ich nur an die Ruine Blumenegg, den Kultur Pavillon denke. Da waren wir zweimal vor dem Aufgeben. Aber da war zum Beispiel auch das Land, die Kultur, der Martin Markowitz – zäh und hartnäckig. Die Gemeinden wollten nicht mitmachen.

Nicht dass sie nicht wollten, es fehlte auch an der Vorstellung. Wenn man dieses Vorstellungsvermögen nicht hat, dann muss man halt auch jemandem vertrauen, der es vielleicht hat und sagt…

Das wird schon.

 

Edgar Eller: Erzähl kurz wie bei der Ruine Blumenegg euer Prozess war?

Es ist quasi ein Kulturraum, der auf der alten Ruine gebaut wurde. Es stehen wirklich nur noch die Steinmauern am Rand von einer Festung.

Dietmar Nigsch: Festung, ja. Eigentlich dem Grafen von Montfort.

Edgar Eller: Aus welchem Jahrhundert? Hast du das auch im Kopf?

Dietmar Nigsch: Das habe ich nicht. Aber es ist lang her.

Edgar Eller: Nur wenige erahnen an den letzten Resten der Mauern die Festung des Grafen. Dort habt ihr einen kleinen Pavillon gebaut. Mit wieviel Quadratmetern?

Dietmar Nigsch: Er umfasst ungefähr 70 Leute. Also was wird es sein? Hundertzwanzig oder so.

 

Burgruine Blumenegg (c)hannomackowitz_mama_blumeneggpavilion

 

Edgar Eller: Also fast wie ein Container, aber natürlich hochwertiger gebaut. Dort finden jetzt auch regelmäßig Veranstaltungen statt. Er wurde finanziert unter anderem über ein Crowdfunding-Projekt?

Dietmar Nigsch: Ein Leader-Projekt. Wir haben Crowdfunding gemacht, weil der Anteil sehr hoch war. Ich habe dort schon immer was gemacht. Auch der Martin Markowitz hat mit Kindern viel gemacht.

Ich habe den Ort im Sommer genützt, weil er einfach schön ist. Weil man ungestört ist. Dann habe ich aber entschieden, nichts mehr zu machen, solange kein Dach zum Unterstellen vorhanden ist. Wenn schnell der Regen kommt, hat man einen großen Aufwand und kann nichts machen. Es war dann die Idee, etwas zu machen, dass man bei jedem Wetter unten sein kann.

Gemeinsam mit Martin (Mackowitz) wollten wir einen Pavillon machen und haben die Gemeinde Thüringen gefragt. Wir haben es als kulturelles Wohnzimmer für die Region Blumenegg bezeichnet. Die Gemeinde hat es nicht mitgetragen. Als wir bei der Sitzung zusammen waren, haben wir schon die typische Haltung gemerkt, dass man einfach schon reserviert ist. Der Bürgermeister sagt, es ist schwierig, das möchte man nicht.

 

Blumeneggpavillon_ein kulturelles Wohnzimmer(c)hannomackowitz_mama_blumeneggpavilion

Edgar Eller: Ist es auch schwierig, weil es privat ist? Wäre es für die Gemeinde immer einfacher, wenn ihnen selber das Gebäude gehört? Oder geht es wirklich primär um diesen Willen und diese Vorstellung?

Dietmar Nigsch: Herr Wucher hat es dem „Schloss Bua“ abgekauft, der daneben ist. Der hat es verkauft. Seine Idee war – er war auch ein Visionär – eine Straße rauf zu bauen. Er wollte in den Ruinen ein Hotel machen. Er hat sie auch mit Beton verbunden, damit es nicht zusammenfällt, was natürlich nicht gut war. Aber vielleicht doch?!

Alexandra Wucher, die Tochter, hat es dann übernommen. Dann wollte es der Schloss Bua wieder zurückhaben. Er hat es dem Verein abgekauft für 70 Jahre. Danach bekommt es der Verein. Dadurch hat das Leader-Projekt funktioniert.

Also insofern ist ein Verein der Träger. Es funktioniert jetzt wunderbar und es gibt einen großen Pool von Menschen, die sich einsetzen. Aber es ist auch die Alexandra Wucher, die einfach eisern die treibende Kraft ist.

 

Edgar Eller: Was mich an dem Ort bei der Entwicklung so fasziniert ist, dass es nicht primär darum ging, noch mal einen Veranstaltungsraum zu bauen. Es ging nicht nur darum, dass es irgendwelche Räume gibt, wo Menschen Platz haben, sondern es ging um diesen Ort, der eine ganz spezielle Aura und Kraft hat. Wo man merkt, da kann etwas entstehen. Dieser Ort war kraftvoll genug, dass sich Leute involviert und engagiert haben. Jetzt dieses Netzwerk bilden, die das Ganze auch betreiben.

 

Der Ort als solches ist schon wichtig für Kunst und Kultur, damit etwas Kraftvolles entsteht.

 

Kulturpavillon Blumenegg Innenansicht(c)hannomackowitz_mama_blumeneggpavilion

 

Dietmar Nigsch: Finde ich total wichtig. Ob ich jetzt reise oder irgendwas tue, ich sehe Räumlichkeiten und dann kommen bei mir die Ideen. Wenn ich Räume sehe dann weckt es in mir immer das Bedürfnis, etwas zu machen.

Da ist einfach so ein schöner Raum, der Atmosphäre hat. Oder auch nicht, dass man auch was Konträres setzt. Zum Beispiel Garagen. Wir haben oft Garagen als Ausstellungsräume genutzt. Teilweise sind sie jetzt schon in nicht mehr in Benutzung und in 15 Jahren müsste es sie in der Fülle gar nicht mehr geben. Die so neben dem Haus stehen, in ganzen Reihen. So unmöglich angebaut.

Dann haben wir sie einfach für Ausstellungen genommen. Und dann kriegt der Raum, dieser arme Raum, der da einfach so in der Landschaft steht, eine andere Funktion. Das finde ich einfach wichtig.

Edgar Eller: Dadurch, dass unbekannte Orte – die Bevölkerung, läuft täglich daran vorbei und kennt sie nur als Garage – während des Festivals auf einmal anderes erlebt werden, ist es eine Art von positiver Irritation. Es macht natürlich auch etwas mit dem Besucher. Nicht nur die Ausstellung mit den Werken, sondern allein die Zweckentfremdung der Garage als Galerie.

Dietmar Nigsch: Es ist ganz wichtig, dass man auch mal hinschaut. Es ist einfach so viel ganz normal. Es steht da, mehr oder weniger schirch oder schön. Und plötzlich, ach so, ja, kommt auf, da könnte man auch was tun. Es regt an, auch noch andere Dinge draus zu machen, man hebt es ein bisschen hoch.

 

Edgar Eller: Mir fällt gerade etwas auf. Wir sind hier in der Propstei St.Gerold. Draußen läuten gerade die Glocken zum Gebet. Das war früher die Einladung, zusammen zu kommen. Wenn die Glocken geläutet haben, kam man zusammen, hat sich versammelt, um zu beten, aber auch um sich als Gemeinschaft zu erleben.

 

(c) Magdalena Türtscher
Arbeiten mit Dietmar Nigsch in St. Gerold(c) Magdalena Türtscher

 

Ein Stück weit, ist so ein Festival, das einen gewissen zeitlichen Rahmen hat, auch etwas, das einlädt.

Da gibt es eine Auftaktveranstaltung und eine Abschlussveranstaltung. Also ich sag mal so: dass es zu einem fixen Zeitpunkt stattfindet, gibt dem Ganzen auch einen besonderen Rahmen, einen festlichen.

Dietmar Nigsch: Natürlich, Festivals sind schon ein bisschen eine Ausnahmesituation. Zudem ist das nur alle zwei Jahre. Das finde ich auch sehr spannend, weil viele sagen, das könnte man jetzt jedes Jahr machen. Aber ich glaube, es braucht die Zeit.

Fast noch wichtiger ist die Zeit der Vorbereitung für mich und die Zeit des Entwickelns. Das andere läuft dann ab. Da kommen die Leute. Aber dass ich diese Zeit habe, dass ich keinen Stress kriege mit allen Leuten.

Zeit haben ist jetzt schon ein großartiges  wahnsinniges Geschenk.

Edgar Eller: Zu Beginn unseres Gespräches hast du erzählt, dass man, wenn Konzerte in der Propstei stattfinden, diese andere Stimmung spürt. Noch mal zurückkommend auf den Kirchgang. Das war eine Zeit außerhalb der Zeit am Sonntag. Man hat sich besonders schick gemacht und es war klar, das ist ein besonderer Moment.

 

St. Gerold (c) Magdalena Türtscher
St. Gerold (c) Magdalena Türtscher

 

Ist es auch so, dass ein Festival oder Veranstaltungen generell so einen besonderen Moment kreieren, in dem ich selber mich dann anders verhalte, vielleicht auch öffne, weil es außer alltäglich ist?

Dietmar Nigsch: Ich glaube dass man das, wenn man sich aufrafft, schätzt. Da ist so viel Trott. Es ist alles schon eingedreht. Das schönste Kompliment für mich ist, wenn mehrere Frauen sagen: „Aber wenn Walserherbst ist, ist bei uns kalte Küche!“ Das finde ich total schön. Weil sie sagen, mich interessiert so viel und da gehe ich hin.

Zum Teil ist es eben ganz anders als im Alltag. Es reißt auch jemanden raus aus diesem Trott, den man wirklich hat. Es gehen viele Leute woanders arbeiten. Das ist auch gut. Das nicht nur jeder in seiner eigenen Wohnung das Fernsehprogramm anschaut. Dass man kommt und auch hört. Es gibt natürlich auch solche, die es nicht so gut finden, aber der Großteil schon. Ich glaube, diese Ausnahmesituationen sind ganz wichtig, sonst versumpft man. Das ist einfach nicht lebenswert.

 

Edgar Eller: Das ist ein wichtiges Stichwort für einen zweiten Teil, den ich kurz ansprechen möchte. Du hast vorhin erzählt, das Festival findet jetzt alle zwei Jahre statt. Eigentlich wäre es letzten Herbst gewesen. Du warst einer derjenigen, die relativ schnell gesagt haben, okay, dann ist es halt nicht. Ihr habt nicht versucht, das Ganze ins Digitale zu übertragen.

Du hast gesagt, ein wichtiges Element unserer Veranstaltung ist dieses Zusammenkommen und den Ort, eben auch als physischer Ort, gemeinsam zu erleben. Das kann man nicht transferieren. Es ist halt einfach diese Zeit. Deswegen geht es nicht.

Das heißt, du hast dasselbe Schicksal geteilt wie nahezu alle Kulturschaffenden in Europa. Es gab einfach ganz wenig Kunst und Kultur in den letzten eineinhalb Jahren. Dorit Ehlers, eine Kollegin von dir aus Salzburg, hat neulich mal geschrieben, sie ist es leid, dass Kultur und Kultur immer als systemrelevant bezeichnet werden.

Sie sieht Kunst und Kultur zwar als relevant an, aber nicht für irgendein, wie auch immer gelagertes System, sondern fürs Leben. Sie sagt der Mensch wurde durch Kunst und Kultur überhaupt erst Mensch.

Das ist gleichzeitig entstanden wie die Erfindung des Feuers. Das Teilen der Beute war quasi die Ölmalerei und die Imagination, sich etwas Gemeinsames vorzustellen und sich Geschichten zu erzählen. Gemeinsam in der Gemeinschaft am Feuer, war quasi der Kern der Menschwerdung. Und deswegen sagt sie, natürlich ist Kunst und Kultur relevant, aber für das Leben und nicht für irgendein System.

 

Siehst du dich als systemrelevant? Welche Rolle hat Kunst und Kultur deiner Meinung nach in der Gesellschaft?

Dietmar Nigsch: Also systemrelevant..? Sie ist einfach da. Das Leben ist schon Kultur an sich. Ich habe noch nie den Gedanken gehabt, jetzt müsste ich, weil etwas ausfällt, etwas machen. Also medial oder irgendetwas. Ich habe auch so etwas nie wahrgenommen. Manchmal war es mir fast zu viel. Weil man es nicht kann! Weil es so stark mit dem Persönlichen, mit jeder Persönlichkeit verbunden ist und mit dem Leben.

Genau mit dem Treffen, da sind wir gar nicht so weit weg vom Urwald. Man will sich treffen, das ist einfach wichtig! Dann ist eben die Pause! Genug Menschen sind trotzdem kreativ geblieben. Entweder ist man es und dann macht man das auch trotzdem, aber es hat andere Formen. Diese Zeit des Nachdenkens habe ich sehr wertvoll empfunden, muss ich ehrlich sagen.

 

Edgar Eller: Konntest du die Zeit nutzen zum Nachdenken? Rückblickend sind es jetzt 15, 16 Monate. Wenn man sich vor allem den 1.Lockdown anschaut, der wirklich eine ganz spezielle Zeit war, diese seltsame Aneinanderreihung von Sonntagnachmittagen, da hätte man jetzt rückblickend sagen können, das ist eine Zäsur. Die nutzen wir jetzt gemeinschaftlich. Halten mal inne und denken nach. Aber so richtig passiert, ist es ja nicht.

 

Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher
Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher

 

Konntest du für dich diese Zeit nutzen, um Dinge neu zu sortieren? Also war es für dich auch eine hilfreiche Pause?

Dietmar Nigsch: Für mich war es schon eine hilfreiche Pause. Ich habe es am Anfang auch so gespürt, gerade in der Stadt. Man ist wieder viel unterwegs gewesen. Hat ganz andere Formen entdeckt, sonst kann man ins Kino oder Ähnliches. Plötzlich muss man überlegen, weil  man nicht zusammen kommen kann. Die Familie kann was machen. Ich bin sehr viel gewandert.

Ich empfinde es so, wenn ich nicht gehe, dann ist geht auch nichts in Bewegung. Das geht mit der Bewegung einher und es ist oft ein Leer werden. Ich werde leer und dann kann ich den Platz wieder füllen. Ich habe an dem Programm gearbeitet, weil das schon fast gestanden ist. Da hat sich schon einiges verändert.

 

Edgar Eller: Hast du das Gefühl, dass Kunst und Kultur jetzt nach dieser Zeit einen anderen Stellenwert kriegen, oder sind es andere Zugänge? Oder ist es danach wieder so wie vorher? Vielleicht dauert es ein bisschen länger, bis man sich wieder traut, sich die Hand zu geben, sich zu umarmen. Aber ansonsten bleibt es wie vorher?

 

Könntest du dir vorstellen, dass Kunst und Kultur eine neue Funktion oder eine stärkere Funktion kriegen?

Dietmar Nigsch: Im Moment schaut es schon so aus… Ich habe jetzt auch keine größeren Veranstaltungen. Natürlich ist man verunsichert. Kann ich jetzt? Das müssen wir irgendwie überwinden. Ich habe halt einfach immer versucht, den Hausverstand auch ein bisschen einzusetzen.

Wenn man nur auf Virologen eingeht, dann ist man einfach verwirrt. Irgendjemand hat mal gesagt, einfach nicht zu viel hören. Auch nicht so viel anhören. Einmal am Tag eine Information reicht.

Also ich hab nie gewusst, dass man nicht weg kann in Wien. Was man ja durfte. Man konnte ja sagen, mir fällt die Decke auf den Kopf und dann konnte man ja gehen. Aber jetzt war ich im Kino. Man freut sich, dass man wieder zusammen sein kann. Und wenn die Masken auch noch weg sind! Man sieht nicht bzw. wenn man nur die Augen sieht, ist es halt auch relativ wenig.

 

Edgar Eller: Gehen wir noch kurz zurück zum Programm von diesem Jahr. Ich finde es insofern so relevant und interessant, weil ihr wieder ein wichtiges Thema aufgreift, aber ihr es in der Sprache der Kunst und Kultur verhandelt.

Es ist das Thema Mobilität und die Mobilität im Tal. Was hat dich bewogen dieses Thema anzugehen und wie macht ihr es?

Dietmar Nigsch: Der alte Propst, hatte noch sehr gekämpft, dass der Furkapass nicht aufgeht. Das ist ganz bekannt. Legendär. Eigentlich  hat er recht gehabt. Es war fast visionär. Ein Biosphärenpark muss auch andere Möglichkeiten finden. Es kann nicht sein, dass ein ganzes Tal zum Beispiel durch Motorräder beeinträchtigt wird.

Dass eine kleine Gruppe, man muss fast sagen, wohlhabender Menschen, weil das kein billiges Hobby ist, das einfach so auf Kosten von Menschen, die hier wohnen oder Ruhe suchen, auslässt. Da muss man etwas tun. Vielleicht müsste man leisere Motorräder bauen. Wenn ich das einem Motorradfahrer sage, dann antwortet der, die sind ja alle gleich.

 

(c) Magdalena Türtscher
(c) Magdalena Türtscher

 

Ich bin der Meinung, dass der Biosphärenpark sagen müsste, es ist eigentlich nicht erwünscht. Es will niemand!

Wie dieses große Auto dort unten. Manche Dinge würde ich einfach hinterfragen. Ob sie überhaupt  erlaubt sein sollten, weil sie so auf Kosten von der Bevölkerung gehen. Auch der Radweg. Mir ist aufgefallen, dass auch immer mehr Radfahrer kommen. Ich habe mein Büro an der Straße und da merkt man, auch das steigert sich unwahrscheinlich! Was sich wahrscheinlich wenige vorstellen können. Aber es sind Elektroräder. Man muss einfach weiterdenken.

 

Edgar Eller: Wie thematisiert ihr das im Festival?

Dietmar Nigsch:  Wir haben mit Ingo Türtscher von der Regio gesprochen, dass er das Konzept auch weiterführen kann. Wir setzen wieder einmal einen Impuls. In Blons wollten wir mal die blühende Straße machen. Aber daran sieht man, wie schwer das auch am Land ist. Es ist eine Straße. Man hört, die Straße ist kein Spielplatz. Das Auto ist so tief in unseren Köpfen drinnen, das bringt man gar nicht raus.

Ich brauche es ja auch. Aber es hat einfach nichts anderes Platz in der Fantasie. Da fehlt jegliche Fantasie, was man tun kann. Auch die kleinen Dinge, wie einen Platz zu räumen, wo halt Autos sind. Das ist schon schwierig. Das sind kleine Schritte. Wir haben das letztes Mal auch schon in Blons gemacht. Es funktioniert. Es ist leiser geworden.

 

Dorfplatz Blons (C)hannomackowitz_mama_blons

 

Man kommt um die Kurve, es ist etwas los, es schaut anders aus. Man fährt langsam und denkt, aja da sind Menschen. Da kann ich nicht so einfach so durch. Es wird einfach funktionieren. Blons müsste eine 30er-Zone haben. Ich glaube, in Wien passiert das jetzt häufig. Man sieht, diese 30er-Straßen, Fußgänger und Skater. Die müssen alle Platz haben.

Zusammensein statt Parken beim Walserherbst_Blons(c)hannomackowitz_mama_blons

 

Das müsste doch mindestens 500 Meter durch ein Dorf möglich sein! Dass jeder genau das gleiche Recht hat. Dann kann man ja eh fahren. Das ist mir im Zusammenhang mit diesen Freiräumen in den Sinn gekommen.

Gerade in Blons, wo die Schule ist, wo das Zentrum ist, wäre es doch wunderbar, dass der Platz nicht nur da ist, wenn man etwas konsumiert. Sondern dass jeder am Brunnen sitzen kann, irgendwas machen kann. Das sind für mich wichtige Dinge.

 

Edgar Eller: Wenn du in die Zukunft des Tales schaust, welche Entwicklung siehst du für das Walsertal grundsätzlich, aber auch für Täler dieser Art? Glaubst du, die Täler sind weiterhin Abwanderungstäler und quasi dem Untergang geweiht? Weil alle in die Städte ziehen? Oder glaubst du, dass sie in der Zukunft eine wichtigere Rolle spielen? Und wenn ja, muss man irgendwelche Dinge, irgendwelche Hebel stellen, damit sie diese Relevanz dann auch erfüllen können?

Dietmar Nigsch: Dadurch, dass die große Industrie dem Walsertal so nahe ist, ist die Situation eine andere als, wenn du irgendwo in Niederösterreich im Waldviertel lebst. Dort ist es schwieriger. Aber hier ist eher die große Gefahr, dass es nur Wohngemeinden werden, wie etwa die Tühringer Berge oder Ragal. Man lebt fein. Das ist mein Bereich und sonst gehe ich raus arbeiten und so. Das ist nicht gut für eine Gemeinde.

Mir müssen die Menschen integrieren. Irgendwie kriegt man nicht mit, wer da ist. Jene die da sind, sind zu wenig integriert. Wir sind drauf gekommen, dass zum Beispiel der Architekt Matthias Würfel von Thüringerberg, der jetzt einiges macht, schon drei, vier Jahre hier wohnt. Jetzt kommt er von selbst und sagt, ich glaube, ich kenne das Tal jetzt ein bisschen. Ich würde gern etwas machen. Es kann dir nichts Schöneres passieren.

Es ist darauf zu achten, dass es nicht nur so Wohngemeinden sind. Wenn die Kommunikation funktioniert, dann ist es einfach. Es wird immer mehr Zuzug sein. Man muss auch sehr gut mit dem Thema Wohnen umgehen.  An den Gemeinschaftswohnungen sieht man, dass der Bedarf da ist. Auch die Jüngeren schätzen, was sie hier haben.

Denken wir an diesen Berufsverkehr! Es gehen ja Tausend raus! Das ist unwahrscheinlich. Früher hat man noch die Arbeiter abgeholt, da hat es diese Busse gegeben. Das war total effektiv. Der fährt nach Raggal raus, fährt rundum und die steigen zu. Das haben sie dann aufgehört.

Viele sagen: ich will meine Freiheit haben. Ich mag niemanden im Auto haben.

Man mag nicht immer irgendjemanden haben. Aber in dieser Richtung müssen wir ein bisschen demütiger werden und nicht nur sagen, ich mach das. Ich kenne ganz wenige, die Fahrgemeinschaften vom Landhaus von Blons bis nach Bregenz hatten.

Die Absprache funktioniert schon, wenn man sagt, okay, wenn der andere was tun muss, dann gehe ich halt in ein Kaffeehaus. Aber man will so frei sein. Aber diese Freiheit, ob sie das dann wirklich ist, weiß ich auch nicht.

 

(c) Magdalena Türtscher
(c) Magdalena Türtscher

 

Edgar Eller: Also du sagst es geht um diese Absprache. Es sollen keine reinen Wohnorte sein. Das heißt, es geht auch in Zukunft um gewisse Formen der Gemeinschaft. Um neue Gemeinschaften und dadurch dann auch wieder um Orte, in denen diese Gemeinschaft entstehen kann?

Ein Stück weit mehr wieder Dorf zu werden, nicht im Sinne von wir sind wir und alles andere ist uns egal, sondern eher, man kennt sich, man hilft sich und man schaut aufeinander. Man bildet eine Gemeinschaft von jenen, denen der Lebensraum wichtig ist.

 

Dietmar Nigsch:  Ich bin ja ein Befürworter. Es ist nur eine Frage der Zeit und das wissen alle. Also ich finde, man braucht nicht 6 Bürgermeister hier am Land. Man soll frei wählen können. Von mir aus sollen es zwei sein und dann braucht es schon noch diese Stellen in der Kommunikation in der Gemeinde. Aber Ludesch oder Thüringen, hat so viele Einwohner wie das ganze Große Walser Tal (das in 6 eigenständige Gemeinden geteilt ist).

Es hapert immer noch an der Verbindung. Wenn ich an die Kultur denke. Da heißt es immer noch, ja, wenn es bei uns ist, dann…. Damit kämpfe ich schon seit Beginn. Aber was ist bei uns? Es ist im Walser Tal. Man kommt, weil es vor der Haustür ist. Aber von Raggal nach Blons zu gehen oder umgekehrt?

Es ist diese Verbindung! Darum nenne ich diese zwei Orte. Mein Wunsch, wenn ich mal genug Geld hätte, wäre sie auch visuell zu verbinden. Aber das ist immer alles teuer. Auch diese Verbindungen untereinander. Auch der Probst, wollte eine Seilbahn darüber haben. So eine visionäre, wahnsinnig schöne Hängebrücke, wo man drüber gehen kann wär doch was Wunderbares.

 

Edgar Eller: Dieses verbindende Bild ist ein schönes Abschlussbild für unser Gespräch. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Viel Erfolg beim Walserherbst 2021 und noch viele, viele Ideen für deine Projekte und für das Herz.

Dankeschön!

Titelbild Edgar Eller und Dietmar Nigsch (c) Magdalena Türtscher

 

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Edgar Eller

Selbständiger Unternehmensberater und Hochschullehrer.

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Weil wir gezeigt haben, dass „Miteinander“ mehr bringt. Im Miteinander machen Sie für Ihren Standort das Mögliche zum Machbaren. Wir unterstützen Sie dabei mit Know-how, das sich in der Praxis bewährt hat, mit Weiterbildung, die neue Perspektiven eröffnet sowie mit Erfahrungsaustausch, der Sie in Ihrer Rolle stärkt.

Formen Sie aktiv die Zukunft des Stadtmarketings!

Werden Sie Teil unserer dynamischen Gemeinschaft und nutzen Sie unsere vielfältigen Angebote zur fachlichen Weiterentwicklung und Einflussnahme.

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