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Was wir jetzt brauchen: Mehr Unterstützung für allein Erziehende

21. April 2020Von Susanne Prosser
Wohnen für allein Erziehende
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In Österreich gab es im Jahr 2019 rund 167.000 Familien mit allein Erziehenden, 91 Prozent davon sind Frauen. Im Alltag, während der Krise ganz besonders und in punkto Wohnen sind allein erziehende Elternteile meistens stark benachteiligt. In Wien entstehen derzeit mehrere geförderte Wohnungen, die speziell auf die Bedürfnisse von allein erziehenden Eltern ausgerichtet sind. Wir haben mit Sarah Zeller, Gründerin des Vereins JUNO, darüber gesprochen.

STADTMARKETING AUSTRIA: Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Situation von Ein-Eltern-Familien. Welchen Herausforderungen stehen allein Erziehende gegenüber?

Sarah Zeller, Gründerin Verein JUNO.

Sarah Zeller: In erster Linie finanziellen Herausforderungen, da es nur ein Einkommen gibt. Viele Väter zahlen oft zu wenig oder keinen Unterhalt, außerdem ist die Höhe des Kindesunterhalts nicht mit der Höhe eines zweiten Einkommens vergleichbar.

Nicht umsonst zählen allein Erziehende zu der Bevölkerungsgruppe, die am meisten von Armut und Ausgrenzung gefährdet ist, was bedeutet, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben kaum oder gar nicht teilhaben zu können.

Leider gibt es häufig auch noch die Stigmatisierung, dass allein Erziehende als defizitär wahrgenommen werden. Dieses Fremdbild beeinflusst häufig auch das Selbstbild dieser Elternteile. Dabei leisten allein Erziehende Elternteile Unglaubliches!

STADTMARKETING AUSTRIA: Wie macht sich das bemerkbar?

Sarah Zeller: Wenn ein Kind zum Beispiel schlechter in der Schule ist oder sonst Probleme hat, wird es häufig schnell auf die Familiensituation geschoben. Frauen werden oft als arme, verlassene Opfer wahrgenommen, die es nicht geschafft haben, einen Mann zu halten.

Ihnen wird oft, ohne Kenntnis über die Beziehung und die Hintergründe zu haben, auch noch die Schuld für das Scheitern der Familie gegeben. Solche Stigmatisierungen müssen ein Ende haben.

Freilich sind die Alltagsherausforderungen für Single-Eltern sehr viel größer, was man besonders jetzt, während der Corona-Krise sieht. Persönliche Bedürfnisse bleiben im Alltag und jetzt ganz besonders meistens auf der Strecke. Rückzugsräume und die Möglichkeiten, eine neue Partnerschaft einzugehen, fehlen häufig.

Viele leben an der Grenze und Burnout ist immer wieder ein Thema. Allein Erziehende müssen jetzt ihren Beruf im Homeoffice und das Lernen mit den Kindern gleichzeitig und alleine meistern. Und sie leisten dabei Großartiges!

STADTMARKETING AUSTRIA: Was sind die besonderen Probleme während der Krise?

Sarah Zeller: Zum einen die finanziellen Herausforderungen, die für viele in der Krise verschärft werden.

Viele machen sich Sorgen, was passiert, wenn sie selbst erkranken und ins Krankenhaus müssen. Wer passt dann auf die Kinder auf? Kontakte zu anderen sind ja nicht möglich. Besonders schwierig ist die Lage für Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, keine Kinderbetreuung haben und zusätzlich der Gefahr einer Ansteckung am meisten ausgesetzt sind.

Mütter, die jetzt alleine mit den Kindern sind und 40 Stunden im Homeoffice arbeiten und darüber hinaus noch mit den Kindern lernen sollen, geraten jetzt an ihre Limits.

STADTMARKETING AUSTRIA: Was würde jetzt helfen?

Sarah Zeller: Es bräuchte einen Härtefallfonds für alle Bevölkerungsgruppen, die jetzt am Existenzminimum sind. Dazu gehören auch viele allein Erziehende. Vorhandene Töpfe können auch neu bewertet werden, sodass allein Erziehende daraus jetzt auch Unterstützung bekommen können.

Für die Kinderbetreuung bräuchte es Angebote oder Alternativen, zum Beispiel Ergänzungen für Krisenzentren im Fall, dass der allein erziehende Elternteil krank wird und ins Krankenhaus muss. Denkbar ist auch, dass Betreuer mit geeigneter Schutzkleidung nachhause kommen und sich um die Kinder kümmern. In diese Richtung sollte man jetzt denken!

Abhängig von der Bewertung der Experten wäre es auch wichtig, dass Schulen und Kindergärten zumindest stufenweise wieder öffnen können.

Arbeitgeber sollten die Situation von allein erziehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern berücksichtigen und hier kulant sein bzw. auch Freistellungen möglich machen.

STADTMARKETING AUSTRIA: Wie kann das Schulsystem jetzt helfen?

Sarah Zeller: Es sollten seitens der Lehrkräfte jetzt andere Maßstäbe gelten. Die Priorität muss jetzt die körperliche und psychische Gesundheit sein und dass Familien gut durch die Krise kommen. Schulische Leistung muss zweitrangig sein.

Stress sollte so gut es geht vermieden werden, damit es nicht zu vermehrten Aggressionen in den Familien kommt, weil der Druck in den Familien steigt, von denen Ein-Elternfamilien am meisten betroffen sind!

Niemand kann von einer Mutter erwarten, dass sie 40 Stunden im Homeoffice arbeitet, den Haushalt macht und parallel die Kinder den ganzen Tag unterrichtet!

STADTMARKETING AUSTRIA: Sie haben den Verein JUNO ursprünglich aufgrund eines Wohnprojektes für allein Erziehende gegründet, heute bieten Sie auch unter anderem psychosoziale Beratung sowie rechtliche Beratung und Elterngespräche an. Um auf den Ursprung der Vereinsgründung zurückzukommen: Wie ist die Lage bei der Wohnungssuche, warum brauchen wir spezielle Wohnungen für Single-Eltern?

Sarah Zeller: Durch das geringere Haushaltseinkommen gibt es auch hier oft eine Schlechterstellung gegenüber anderen Mietwerbern. Tatsächlich ist es vielen allein Erziehenden auch nicht möglich, angemessenen Wohnraum zu finanzieren.

Die hohen Quadratmeterpreise führen oft dazu, dass allein Erziehende mit wenig Wohnraum auskommen müssen, was zu sehr beengten Verhältnissen im Zusammenleben führt. Wenn es kaum Rückzugsmöglichkeiten gibt, ist das weder gut für die Kinder noch für den betroffenen Elternteil.

In unserer repräsentativen Wohnstudie fanden wir heraus, dass besonders in der untersten Einkommensschicht 30 Prozent der Single-Eltern sogar bereits von Wohnungslosigkeit bedroht gewesen waren.

In unseren Wohnprojekten ist es auch möglich, dass getrennte Eltern jeweils eine eigene Wohnung im gleichen Haus beziehen, um sich die Kinderbetreuung untereinander aufteilen zu können.

STADTMARKETING AUSTRIA: Sie treten dabei als Vermittler der Wohnungen auf?

Sarah Zeller: Ja, denn bei neuen Bauprojekten in Wien ist die Nachfrage so groß, dass es bereits in der Projektierungsphase für jede Wohnung Wartelisten mit mehreren Hundert Wohnungswerbern gibt. Bis die Wohnung dann bezugsfertig ist, vergehen weitere zwei bis drei Jahre.

Single-Eltern können auf diese Weise nicht planen, sie haben einen dringenderen Wohnbedarf, da sich Lebenssituationen meistens sehr schnell verändern. Wir treten praktisch als Platzhalter auf, indem wir ein Wohnungskontingent der Bauträger zur Vermittlung bekommen und dadurch schnell agieren können.

STADTMARKETING AUSTRIA: Wie kam es zu den Wohnprojekten für allein Erziehende?

Wohnen für allein Erziehende
Das Wohnprojekt in der Viehtriftgasse im 21. Bezirk in Wien war das Pilot-Projekt von JUNO.

Sarah Zeller: Ich war selbst allein erziehend und wollte mit einer Freundin gemeinsam eine Wohngemeinschaft gründen. Leider stellte sich heraus, dass das am privaten Wohnungsmarkt nicht funktionieren werde.

Durch Zufall konnten wir uns im Jahr 2014 über einen Bekannten, der als Soziologe für Projekte des geförderten Wohnbaus arbeiten, in das Projekt Viehtriftgasse im 21. Bezirk einklinken. Das Interesse des Bauträgers war gleich sehr groß und so konnten wir in diesem Haus gleich 3 WGs für Single-Eltern unterbringen. Aus diesem Anlass gründeten wir im Jahr 2015 auch den Verein JUNO.

STADTMARKETING AUSTRIA: Wie haben sich die Projekte dann weiter entwickelt?

Sarah Zeller: Es kamen gemeinnützige Bauträger auf uns zu, die ebenso Projekte mit uns umsetzen wollten. Wir planen die Grundrisse für die Wohnungen nach besonderen Anforderungen. Das Motto ist: Viele Zimmer auf wenigen Quadratmetern. Am besten kommt eine kompakte 60 bis 65 Quadratmeter-Wohnung mit zwei Schlafzimmern und einer gemeinsamen Wohnküche an. Hierbei handelt es sich auch um eine leistbare Größe.

Gemeinschaftsräume sind im geförderten Wohnbau mittlerweile Standard. Wir achten darauf, dass die Gemeinschaftsflächen gut verteilt sind und dass sie nicht alle im Erdgeschoß untergebracht sind. Für Eltern ist es wichtig, dass sie diese Bereiche in unmittelbarer Nähe haben, sodass die Kinder auch einmal alleine zum Spielen gehen können.

Derzeit gibt es die Wohnprojekte Käthes Grätzl, wohn.syn.21, Neu Leopoldau, Ich-Du-Wir plus und kolok-as. Weitere sind bereits geplant.

STADTMARKETING AUSTRIA: Was kosten die geförderten Wohnungen?

Sarah Zeller: Wir bekommen von den Bauträgern meistens Wohnungen mit der SMART-Förderung, das bedeutet 60 Euro pro Quadratmeter an Eigenmitteln und 7,5 Euro pro Quadratmeter inklusive Betriebskosten für die Miete.

STADTMARKETING AUSTRIA: Der Grundgedanke bei diesen Wohnprojekten ist auch, allein Erziehende miteinander zu vernetzen. Wie funktioniert das?

Sarah Zeller: Erstens achten wir als Verein JUNO darauf, dass wir auch nach der Wohnungsübergabe mit unseren Serviceleistungen für die Mieterinnen und Mieter da sind. Für das gesamte Haus ist das Besiedlungsmanagement des jeweiligen Bauträgers zuständig.

Die Wohnprojekte für allein Erziehende sind immer gemischt im Sinne eines Mehr-Generationen-Wohnens. Durch Kommunikation versuchen wir auch, die Menschen zu Kinderbetreuungs-Netzwerken zusammen zu bringen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner organisieren sich in dieser Weise auch selbst, zum Beispiel durch abwechselndes Aufpassen oder Babysitter-Sharing.

STADTMARKETING AUSTRIA: Können Sie als Verein solche Projekte rund um das Wohnen für allein Erziehende auch in anderen Bundesländern umsetzen?

Sarah Zeller: Ja selbstverständlich können wir das. Wir bieten auf Anfrage auch gerne Workshops und Beratungen in den Städten und Gemeinden an.

Der Verein JUNO:

JUNO ist ein Verein von und für getrennt- und allein Erziehende, der Beratung in unterschiedlichen Bereichen anbietet und Wohnprojekte sowie Wohngemeinschaften vermittelt, die auf die Bedürfnisse von allein Erziehenden angepasst sind.

Der Verein JUNO Ist auf Spenden angewiesen und bietet diverse Service-Angebote auch in Ihrer Stadt/Gemeinde an.

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Susanne Prosser

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