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Technologie für SeniorInnen: Das Projekt WAALTeR macht es vor

17. Juli 2018Von Susanne Prosser
Projekt WAALTeR
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Das Forschungsprojekt WAALTeR steht für Wiener AAL TestRegion und untersucht, ob Technologie-Unterstützung im Alltag von SeniorInnen die Aktivität und Mobilität, den sozialen Austausch, die Sicherheit und Gesundheit verbessert. Wie ältere Menschen im “echten Leben” davon profitieren und was die Stadt davon hat, erfahren Sie hier.

Was wie ein männlicher Vorname klingt und zufällig das Wort “Alter” einschließt, hat eine ganz andere Bedeutung: AAL steht für “Active & Assisted Living” und umschreibt Altersgerechte Assistenzsysteme für ein aktives, unabhängiges Leben.

Das Forschungsprojekt “WAALTeR – Altern findet Stadt” wird vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert und untersucht, in welcher Weise SeniorInnen Technologie im Alltag nützen. Und wie sie ihnen das Leben tatsächlich erleichtert. Für WAALTeR wurden keine neuen Technologien entwickelt. Stattdessen werden bestehende Technologien zu einem System zusammengeschlossen und seniorInnenfreundlich angeboten.

“Das Thema Digitalisierung von SeniorInnen ist im Kontext seniorInnenfreundliche Stadt unglaublich wichtig. Und zwar nicht als Beschäftigungstherapie, damit sie alleine zu Hause sitzen und am Tablet etwa Spiele spielen können – und die Vereinsamung noch weiter voranschreitet.

Sondern viel mehr, um die Technologie als Instrument zu nutzen, sich im Real Life zu treffen und sich eigenständig organisieren zu können”, sagt Projektleiterin DI Julia Sauskojus von der Smart City Agentur Wien.
Denn: Wenn SeniorInnen sich digital organisieren, um dann aktiv am Stadtleben teilzunehmen, bringe das auch ein Gleichgewicht der NutzerInnengruppen im öffentlichen Raum zurück.

 

Darum unterstützt WAALTeR SeniorInnen in folgenden Bereichen:

  • Soziale Integration
  • Sicherheit
  • Gesundheit

Mit WAALTeR werden die SeniorInnen im Alter von 60 Plus möglichst früh mit dem Angebot vertraut gemacht, damit die Hemmschwelle nicht zu hoch wird und sie sich auf die Fähigkeiten verlassen können, die sie brauchen, um die Technologie anzuwenden. “Wir wissen aus Studien, dass soziale Integration und die Erhaltung der Mobilität die Schlüsselfaktoren für Lebensqualität im Alter sind”, so DI Sauskojus weiter.

“Das Internet und dazu gehörende Technologien eröffnen viele neue Möglichkeiten dafür.”

Seit Beginn 2018 wurden in Wien derzeit 87 Testhaushalte von SeniorInnen im Alter von 60 und mehr Jahren mit den Technologien ausgestattet. Herzstücke dabei sind ein Tablet, die WAALTeR-Software und eine Smartwatch. Ergänzend dazu werden weitere 63 Haushalte ohne Technologien als Kontrollhaushalte beobachtet.

Nach 1,5 Jahren wird das Team der WissenschaftlerInnen auswerten, inwiefern die Technologie die Lebensqualität der SeniorInnen insgesamt verbessert hat.

“Zwar erhalten die TeilnehmerInnen eine umfassende Einschulung für die Nutzung, doch geben wir anschließend keine Vorgaben, wie oft und wie lange sie die Technologien nützen sollen”, erklärt Projektleiterin Julia Sauskojus. “Denn das ist am Ende auch ein Teil unserer Forschungsarbeit.”

 

WAALTeR besteht aus folgenden Komponenten:

  • Veranstaltungkalender

    Im Veranstaltungskalender von WAALTeR können SeniorInnen Veranstaltungen finden und diese mit einem Klick in den Terminkalender eintragen lassen.
    Ein weiterer Klick liefert die passende Wegbeschreibung, die den eigenen Bedürfnissen und Vorgaben entspricht.

    Zum Beispiel: Auf welcher Route muss man am wenigsten umsteigen? Auf welchem Weg befinden sich öffentliche Toiletten? Welche Anfahrt enthält die kürzesten Gehzeiten? Auf diese Art können sich SeniorInnen gut vorbereitet mit FreundInnen und Bekannten treffen und an Aktivitäten teilnehmen.

 

  • Nachbarschafts-Netzwerk fragnebenan

    In Partnerschaft mit der Online-Community fragnebenan können in eigenen SeniorInnengruppen Gleichgesinnte im Umkreis von 750 Metern gefunden werden. Zum Beispiel um z.B. Karten zu spielen, zusammen mit den Hunden spazieren zu gehen oder gemeinsam zu essen. Auch bei alltäglichen Dingen bietet das Nachbarschaftsnetzwerk Unterstützung, zum Beispiel beim Einkaufen oder kleinen Handwerksdiensten.

 

  • Virtuelle Services

    Außerdem bietet WAALTeR online-Nachrichten bzw. -Zeitungen sowie die Möglichkeit, Textnachrichten zu schreiben. Auch Video-Telefonie und ein eigener Foto-Speicher, über den man Fotos mit Familienangehörigen sicher teilen kann, sind Teile des Systems. Auf Wunsch kann ein Aktivitätsmotivator dazu freigeschaltet werden, der mit einer eigenen App für die Angehörigen verbunden werden kann.

 

  • Sturzerkennungs-Sensor

    Der WAALTeR Sturzerkennungs-Sensor auf der Smart Watch erkennt Stürze und sendet über die Alarmfunktion automatisch Hilfe. Für außerhalb der Wohnung ist ein mobiler Notruf verfügbar.

 

  • Telemedizin

    Das Fitnessprogramm am WAALTeR Tablet unterstützt die Fitness jeden Tag mit der Bereitstellung von Spezialübungen für die Sturzprävention. Mit WAALTeR Telemedizin werden medizinische Daten wie zum Beispiel die Blutdruck- und Zuckerwerte automatisch an den Hausarzt weitergeleitet.

    Diese Messwerte werden über Bluetooth auch automatisch in ein Gesundheitstagebuch übertragen. In dem kann der/die NutzerIn selbst zu verschiedenen Zeiten seinen Gesundheitszustand selbst einschätzen und über die Zeit vergleichen.

 

Als Forschungsprojekt wird WAALTeR neben Wien in weiteren fünf Pilotregionen getestet: Burgenland, Salzburg, Tirol & Vorarlberg, Graz, Leibnitz & Deutschlandsberg; Klagenfurt, Villach & Ferlach sowie Nordtirol, Südtirol und Flandern. Am Ende der Forschungsarbeit wird sich zeigen, inwieweit die Technologie von WAALTeR fixer Bestandteil des Alltages der SeniorInnen bleibt – und wie sehr die Verbreitung in anderen Haushalten vorangetrieben wird.

 

Fazit: Technologie für SeniorInnen

Soziale Integration und Selbstbestimmtheit rangieren bei SeniorInnen auf der Werteskala ganz oben. Auch die Stadt profitiert in hohem Maß davon, wenn sie bestmöglich dazu beiträgt, älteren Menschen genau diese Bedürfnisse zu erfüllen. Pflegekosten sinken drastisch und die BürgerInnen aller Altersgruppen können aktiv am Stadtgeschehen teilnehmen.

Zwar ist die Digitalisierung nicht das Allheilmittel – aber sie passiert. Und sie kann dazu beitragen, das alltägliche Leben von Menschen aller Altersgruppen in der Praxis zu vereinfachen und soziale Kontakte im “echten Leben” zu ermöglichen und zu stärken. Und wer hat an Gesellschaft und Alltagsunterstützung großen Bedarf wenn nicht SeniorInnen? 

Weitere Informationen finden Sie auf AAL Austria sowie auf hier.

 

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Susanne Prosser

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