Reisen bildet. Wenn man’s macht

04.03.2026
Gesellschaft

STAMA Austria Oslo-Skyline (c) Axel Dobrowolny
(c) STAMA Austria Axel Dobrowolny

Manche halten Fachstudienfahrten für bezahlten Urlaub. Ein bisschen Fachprogramm, ein bisschen Kultur, ein Abendessen mit Blick aufs Wasser und am nächsten Tag ein Gruppenfoto vor dem Stadtwappen von Bilbao. Wer braucht das, in Zeiten knapper Kassen?

Tatsächlich ist die Ablehnung fast schon berechenbar: Je schöner der Ort, desto schärfer der Vorwurf. Ein Workshop im Gemeindeamt von Güssing? Bildung. Ein Besuch der Stadtviertelentwicklung in Barcelona? Geh, bitte. Dabei steckt dahinter oft weniger haushälterische Vernunft als ein tiefes Misstrauen gegenüber allem, was nach Horizonterweiterung klingt. Zumindest, wenn sie nicht im eigenen Büro an einem Flipchart stattfindet.

Vergessen wird dabei: Die Idee, durch Reisen zu lernen, ist nicht neu. Genau genommen verdankt der Tourismus, den Österreich heute stolz als Leitbranche feiert, sich genau diesem Bildungsimpuls: Die europäische Oberschicht nannte das früher »Grand Tour« und meinte damit ein Bildungsritual, ohne das kein angehender Entscheidungsträger ernst genommen wurde.

Es ging nicht darum, sich zu erholen. Es ging darum, Welt zu sehen, um das Eigene besser zu verstehen. Fachstudienfahrten sind also kein Rückzugsort für Müde, sondern ein Trainingslager für Neugierige. Hier sind sieben gute Gründe dafür (und ein Extra-Tipp)

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Fachstudienreisen: Man lernt nicht nur von den besuchten Projekten, sondern vor allem voneinander (c) STAMA Austria Axel Dobrowolny

1. Der Tellerrand ist keine Grenze, sondern eine Einladung

Man kann sein ganzes Berufsleben damit verbringen, die eigene Suppe zu rühren, um sich dann zu wundern, warum sie irgendwann fad schmeckt. Wer nie über den Tellerrand schaut, fängt an, die eigene Rezeptur für universell zu halten. Fachstudienfahrten konfrontieren mit dem Anderen, dem Ungewohnten, dem Besseren. Und mitunter auch mit dem, was man niemals übernehmen will, was aber trotzdem die eigene Sicht weitet.

2. Inspiration als Überlebensstrategie

Ideen entstehen selten zwischen Drucker und Flipchart. Sie kommen in Bewegung, im Gespräch, auf der Straße. Manchmal ist es ein Detail: Ein Straßenzug, ein Platz, ein Satz im Vorbeigehen, das etwas auslöst. Fachstudienfahrten provozieren Erkenntnis. Wer glaubt, ohne Impulse von außen führen zu können, führt oft nur sich selbst in die Irre.

3. Austausch statt Alibi-Kontakte

Fachfahrten schaffen Raum für echten, menschlichen Austausch unter Entscheidungsträgern der gleichen Branche. Man lernt nicht nur von den besuchten Projekten, sondern vor allem voneinander. Das ist der wichtigste Hebel für geteiltes Wissen.

4. Vom „Warum machen die das so?“ zu „Was können wir besser machen?“

Der kritische Blick auf andere Standorte und Strategien schärft die eigene Urteilskraft. Man erkennt nicht nur, was funktioniert, sondern auch, was man selber noch besser machen kann. Ein ehrliches Benchmarking zeigt, wo man selbst steht. Das kann weh tun. Aber echte Führung beginnt mit Ehrlichkeit. Der Verzicht auf Austausch und Inspiration ist daher keine Einsparung, sondern ein Verzicht auf Zukunft. Stillstand ist keine Sparmaßnahme, sondern eine Einladung zum Bedeutungsverlust.

5. Betriebsblindheit beginnt mit grauem Star

Routine macht effizient. Aber auch blind. Fachstudienfahrten sind ein Medikament gegen geistigen Stillstand bevor man irgendwann gar nichts mehr sieht. Wer immer nur »weiter so« sagt, fährt irgendwann gegen die Wand.

6. Erfahrung kann man nicht googlen

Der Geruch eines Marktes, der Klang einer belebten Straße, die Energie eines ambitionierten Projekts, das sind keine PowerPoint-Folien. Das sind Erfahrungen. Und die entstehen nur vor Ort. Wer verstehen will, was einen Ort ausmacht, muss hingehen. Gespräche mit den Falschen führen kann man auch digital. Aber echte Atmosphäre? Die muss man erleben.

7. Motivation durch Mobilisation

Der Soziologe Hartmut Rosa sagt: Energie entsteht durch Begegnung. Man kommt zurück mit Funken im Kopf, Lust auf Umsetzung und dem Gefühl: »Da geht noch was!« Fachstudienfahrten bringen neue Energie ins eigene Tun. Und manchmal genügt ein Funke, um eine ganze Strategie neu zu denken.

Stama-Austria_City Manager Delegation in Oslo (c) Axel Dobrowolny
Die Stadtmarketing Austria Reisegruppe 2025 bei der Fachstudienfahrt nach Oslo (c) STAMA Austria Axel Dobrowolny

Bonustipp:

Fachstudienfahrten von STAMA Austria (hier unser diesjähriges Programm) sind nicht nur sinnvoll, sondern auch günstig.

Wer jetzt denkt: Klingt gut, kostet aber sicher ein Vermögen, liegt daneben. STAMA Austria organisiert derlei Reisen nicht zur Gewinnerzielung, sondern als Werkzeug für Entwicklung. Die Formate sind für Mitglieder bezuschusst und damit oft mehrere hundert Euro günstiger als am freien Markt. Eine Investition, die sich nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell rechnet.

Fachstudienfahrten sind keine Vergnügungsreisen. Sie sind eine notwendige Zumutung für alle, die führen und gestalten wollen. Sie verhindern Betriebsblindheit, fördern Austausch und eröffnen neue Wege.

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Edgar Eller

Selbständiger Unternehmensberater und Hochschullehrer.

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