BIDs: Die Einbindung von Hausbesitzer:innen in die Stadt- und Standortfinanzierung
18.02.2026
Innenstadtbelebung

18.02.2026
Innenstadtbelebung

Business Improvement Districts (BIDs) sind vor allem eines: ein mittlerweile sehr bewährtes alternatives Finanzierungsmodell für Stadt- und Quartiersentwicklung in Zeiten knapper öffentlicher Kassen.
Außerhalb Europas sind BIDs seit vielen Jahren in Staaten wie Australien, Japan, Kanada, Neuseeland, Südafrika oder den USA verankert. Was einst als Reaktion auf lokale Finanzkrisen begann, ist heute auch in vielen europäischen Länder bereits etabliert. Dazu zählen unter anderem Großbritannien, Irland, die Niederlande sowie 15 von 16 deutschen Bundesländern. Auch in Norwegen und Schweden laufen entsprechende Gesetzesinitiativen.
Der internationale Trend ist eindeutig: Wenn öffentliche Mittel knapper werden, suchen Städte nach strukturellen Lösungen für die Finanzierung von Standortentwicklung.
In Österreich, Deutschland, der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern war der Weg bislang klassisch organisiert. Städte und Gemeinden finanzieren Innenstadt- oder Stadtteilentwicklung gemeinsam mit der lokalen Wirtschaft. Die öffentliche Hand trägt einen wesentlichen Anteil, ergänzt durch Beiträge von Betrieben oder freiwillige Zusammenschlüsse.
Eine zentrale Akteursgruppe blieb dabei oft außen vor: Haus- und Immobilienbesitzer:innen haben bislang nur in sehr begrenztem Ausmaß zur Finanzierung gemeinschaftlicher Standortmarketing- und Entwicklungsmaßnahmen beigetragen, obwohl sie indirekt von Wertsteigerungen profitieren.
Dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Kommunale Budgets werden enger, Pflichtausgaben steigen, freiwillige Leistungen stehen zur Disposition. Maßnahmen für Sauberkeit, Gestaltung, Begrünung oder aktives Stadt- und Standortmarketing geraten rasch ins Wanken.
Genau unter solchen Rahmenbedingungen ist das BID-Modell entstanden.

1973 im Stadtteil Bloor West Village in Toronto war die Ausgangslage eine massive Finanzkrise. Die Ölkrise traf nordamerikanische Städte hart, viele standen faktisch am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Kommunale Serviceleistungen wurden drastisch reduziert.
Daraufhin ergriffen die Immobilienbesitzer:innen im Quartier selbst die Initiative. Sie forderten die Möglichkeit, innerhalb ihres Viertels verbindlich Mittel einzuheben, um Qualität, Sauberkeit und Attraktivität eigenständig zu sichern.
1975 wurde das Modell in New Orleans aufgegriffen, ebenfalls unter dem Eindruck finanzieller Engpässe. Später folgten Großbritannien und schließlich auch Deutschland, unter anderem 2004 in Hamburg-Bergedorf.
Der Ausgangspunkt war überall derselbe: Das Diktat knapper Kassen.
Viele österreichische Kommunen stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen. Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, wie wir unsere Zentren beleben, sondern wie wir deren Entwicklung dauerhaft finanzieren können. BIDs sind ein Instrument, das genau dort ansetzt.
Ein Business Improvement District ist im Kern eine verbindliche Standortgemeinschaft auf gesetzlicher Basis. Grundlage ist jeweils ein Landesgesetz, das klar regelt, wie ein BID eingerichtet, finanziert und gesteuert wird.
Konkret bedeutet das: Ein klar abgegrenzter Bereich (etwa eine Einkaufsstraße, ein Quartier oder ein Teil einer Innenstadt) organisiert sich, um den eigenen Standort gemeinsam weiterzuentwickeln. Alle, die davon profitieren, beteiligen sich verbindlich an der Finanzierung.
Zentrales Element ist dabei die demokratische Legitimation. Ähnlich wie bei der Gründung von Tourismusverbänden erfolgt zunächst eine verpflichtende Abstimmung unter den Haus- und Immobilienbesitzern im Gebiet. Erst wenn das gesetzlich festgelegte Quorum erreicht wird, kann ein BID eingerichtet werden. In der Regel erfolgt dies für einen befristeten Zeitraum, meist fünf Jahre.
Ein BID ist ein rechtlich verankertes Instrument mit klaren Regeln, einem fix definierten Budget, verbindlichen Maßnahmen und einer Organisationsstruktur, die für Umsetzung und Transparenz verantwortlich ist. Genau darin liegt seine Stärke: Das strukturelle Trittbrettfahrerproblem wird ausgeschlossen.
Typische Aufgabenschwerpunkte von BIDs sind:
Hoheitliche Aufgaben, wie etwa polizeiliche Tätigkeiten oder der Einsatz eigener Sicherheitskräfte, sind in den meisten BID-Gesetzgebungen ausdrücklich ausgeschlossen. Ein BID stellt eine privatwirtschaftliche Ergänzung städtischer Leitungen in Weiterentwicklung des Standorts dar, ersetzt sie jedoch nicht.
BIDs bündeln Verantwortung und Finanzierung auf eine neue Weise. Sie sorgen für mehr finanzielle Schlagkraft, für höhere Verbindlichkeit und für weniger Diskussionen darüber, wer zahlt und wer nicht.
Natürlich sind sie kein Allheilmittel. Sie funktionieren dort am besten, wo eine gewisse wirtschaftliche Dichte vorhanden ist. Gleichzeitig ersetzen sie in manchen Ländern faktisch klassische Stadtmarketingstrukturen.
In Großbritannien etwa haben BIDs das Town-Center-Management in vielen Städten weitgehend übernommen.
In Liverpool beispielsweise liegt ein Großteil der Innenstadtentwicklung organisatorisch beim BID. Auch in Deutschland übernehmen BIDs in Städten wie Marburg oder Gießen Aufgaben, die traditionell Stadtmarketingorganisationen wahrnehmen – obwohl die gesetzliche Ausgestaltung dort oft als komplex und träge gilt.

Für Gespräche mit Politik, Verwaltung oder Geldgebern ist besonders wichtig, dass BIDs finanziell gut erklärbar und kalkulierbar sind. In der Praxis haben sich drei Berechnungsmethoden etabliert:
Allen Modellen gemeinsam ist: Das Gesamtbudget des BIDs steht fest, und die Verteilung wird transparent im Vorfeld beschlossen. Das schafft Planungssicherheit und Akzeptanz.
In Österreich gibt es bislang keine eigene BID-Gesetzgebung. Dennoch wurden bereits einige Ansätze umgesetzt, die zeigen, wie das Modell auch hierzulande funktionieren kann.
In Lienz wurden privatrechtliche Verträge mit rund 100 Hausbesitzer:innen abgeschlossen. Der hohe Organisationsgrad zeigt, was möglich ist, wenn Eigentümer:innen Verantwortung für ihren Standort übernehmen.
In der Salzburger Altstadt erfolgt die Finanzierung über die Tourismusabgabe. Dieses Beispiel macht deutlich, wie bestehende Instrumente für eine gemeinsame Standortentwicklung genutzt werden können.
In Villach wurde in der Lederergasse ein Verein von Eigentümerinnen und Eigentümern gegründet, kombiniert mit einer finanziellen Beteiligung der Stadt. Hier zeigt sich ein klassisches Co-Finanzierungsmodell zwischen privater Initiative und öffentlicher Hand.

Für Stadtmarketingverantwortliche in Österreich sind diese Beispiele besonders wertvoll. Sie zeigen, dass BID-ähnliche Modelle auch ohne gesetzliche Grundlage umsetzbar sind, allerdings mit hohem Abstimmungsaufwand. Gleichzeitig wird sichtbar, welches Potenzial in verbindlichen Strukturen liegt, wenn Finanzierung, Maßnahmen und Zuständigkeiten klar geregelt sind.
Für Stadtmarketingorganisationen in vielen anderen Ländern ist das kein Randthema mehr, sondern längst eine strategische Weichenstellung, wie die oben genannten Beispiele in Großbritannien oder Deutschland zeigen.
BIDs sind damit kein Zusatzinstrument neben dem Stadtmarketing, sondern in vielen Fällen ein Modell für dessen Weiterentwicklung. Sie verschieben die Finanzierungsbasis, strukturieren Verantwortlichkeiten neu und schaffen langfristige Budgetstabilität.
In Linz wurde im Jänner 2026 diskutiert, ob ein BID-Beitrag eine neue Steuer darstelle. Dem ist nicht so. Ein BID entsteht erst nach einer verpflichtenden Urabstimmung der betroffenen Haus- und Immobilienbesitzer:innen und basiert damit auf einem demokratisch legitimierten Beschluss.
Die eingehobenen Mittel sind zweckgebunden, werden nicht Teil des kommunalen Haushalts und fließen ausschließlich in die definierten Maßnahmen des jeweiligen Quartiers. Ein BID-Beitrag ist somit keine neue Steuer, sondern eine verbindlich organisierte Beteiligung zur Finanzierung konkreter Standortentwicklung.
Gerade deshalb sollte die Diskussion mit Sachlichkeit geführt werden. Reflexartig von „neuen Steuern“ zu sprechen, greift zu kurz und verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wie kann Stadt- und Quartiersentwicklung nachhaltig und fair finanziert werden?

Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel stellt sich für Städte und Stadtmarketingorganisationen eine zentrale strategische Frage:
Wie kann Stadt- und Quartiersentwicklung mittel- und langfristig abgesichert werden, wenn kommunale Zuschüsse unsicher werden oder zurückgehen?
BIDs liefern darauf eine mögliche Antwort.
Sie schließen das strukturelle Problem, indem sie auch Immobilienbesitzer verbindlich einbinden. Sie verbreitern die Finanzierungsbasis und schaffen Planungssicherheit über mehrere Jahre hinweg.
Für Stadtmarketingorganisationen liegt hierin eine Chance. Ein breiteres, gerechteres und verbindlicheres Finanzierungsinstrumentarium könnte dazu beitragen, bestehende Strukturen nicht nur zu stabilisieren, sondern strategisch weiterzuentwickeln. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass sich aus BID-Modellen lernen lässt, sowohl im Hinblick auf Governance als auch auf klare Kompetenzabgrenzungen zwischen hoheitlicher Verantwortung und privatwirtschaftlicher Initiative.
BIDs ersetzen nicht die kommunale Verantwortung. Aber sie organisieren Finanzierung und Mitwirkung neu.
Die Zukunft von Stadtentwicklung (und damit auch die Zukunft des Stadtmarketings) wird nicht allein durch gute Konzepte entschieden. Sie wird durch tragfähige Finanzierungsmodelle entschieden. BIDs sind da ein ernstzunehmender Baustein für ein Zukunftsbild von Stadtmarketing in Zeiten knapper Kassen.
Eine umfassende Vergleichsanalyse der europäischen BID-Gesetzgebungen liegt durch die CIMA Österreich vor und kann bei Interesse hier angefordert werden: https://cima.co.at/
Warum sich bereits mehr als achtzig Standorte in Österreich als Mitglieder beim Dachverband Stadtmarketing Austria austauschen?
Weil wir gezeigt haben, dass „Miteinander“ mehr bringt. Im Miteinander machen Sie für Ihren Standort das Mögliche zum Machbaren. Wir unterstützen Sie dabei mit Know-how, das sich in der Praxis bewährt hat, mit Weiterbildung, die neue Perspektiven eröffnet sowie mit Erfahrungsaustausch, der Sie in Ihrer Rolle stärkt.
Formen Sie aktiv die Zukunft des Stadtmarketings!
Werden Sie Teil unserer dynamischen Gemeinschaft und nutzen Sie unsere vielfältigen Angebote zur fachlichen Weiterentwicklung und Einflussnahme.