Weiz: Wenn Kleinstadt auf Weltmarkt trifft

24.06.2026

PT Weiz3 (c) R Schrank.
(c) Reinhold Schrank

Was bedeutet internationale Industrie in einer 13.000-Einwohner-Stadt? Beim Praxistag Weiz von Dachverband Stadtmarketing Austria und Stadtmarketing Weiz ging es um dieses Spannungsfeld: Jobs, Frequenz und Innovationskraft auf der einen, Verkehr und Transformationsdruck auf der anderen Seite.

 

Weiz ist eine Kleinstadt mit großer Industriegeschichte. ELIN, Mosdorfer, Weitzer Parkett und weitere Betriebe prägen den Standort seit Generationen. Was das für die 13.000-Einwohner-Stadt bedeutet, wurde beim Praxistag beleuchtet, zu dem der Dachverband Stadtmarketing Austria gemeinsam mit dem Stadtmarketing Weiz am 18. Juni 2026 eingeladen hatte. Rund 20 Teilnehmer:innen aus ganz Österreich reisten dafür in die oststeirische Bezirksstadt.

Unter dem Titel „Wie harmonieren Industrie und Handel in einer Kleinstadt?“ ging es um das besondere Zusammenspiel von wirtschaftlicher Stärke, Innenstadt, Handel und Lebensqualität. Weiz ist damit mehr als ein starker Arbeitsmarkt. Täglich pendeln mehr Menschen in die Stadt ein, als hier wohnen. Das fordert zwar Verkehr und Infrastruktur, belebt aber zugleich die Stadt: durch Frequenz, Nachfrage und ein breites Verständnis für den Wert eines starken Wirtschaftsstandorts.

Regionale Ressourcen neu denken

ELIN steht bis heute für die industrielle DNA von Weiz. Das Unternehmen hat die Stadt früh mit Innovation, Unternehmergeist und elektrischer Industrie geprägt. Dieser rote Faden reicht bis in aktuelle Zukunftsfelder: Das Innovationszentrum Weiz hat mehrere Forschungsprojekte zu neuen Hightech-Anwendungen von Holz angestoßen und begleitet.

Weitzer Woodsolutions, hervorgegangen aus der Innovationsarbeit von Weitzer Parkett, erschließt daraus neue Geschäftsfelder. Das gemeinsame Ziel: den regional verfügbaren Rohstoff Holz in neue Leichtbau-Anwendungen bringen, etwa in Bahn, Auto- und Flugverkehr. Erste Anwendungen sind bereits gelungen, bis 2030 wird mit starkem Wachstum gerechnet.

PT Weiz_Mosdorfer (c) STAMA Heinz Mitteregger
Wie harmoniert globale Industrie mit einer Bezirksstadt? Am Programm stand auch ein Firmenbesuch bei Mosdorfer der Knill-Group (c) STAMA Heinz Mitteregger

Global tätig, lokal verankert

Ein besonderer Programmpunkt führte danach zu Mosdorfer, einem Unternehmen der Knill Gruppe. Christian Knill, CEO der Knill Holding und Obmann des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie, erörterte, wie aus einem alteingesessenen Weizer Familienbetrieb ein international tätiger Industriekonzern wurde.

Die Knill Gruppe ist heute in 19 Ländern aktiv und beschäftigt rund 3.000 Mitarbeitende. Sie entwickelt und produziert Komponenten für weltweite Zukunftsinfrastruktur in den Bereichen Energie, Kommunikation und Mobilität. Der Standort Weiz bleibt dennoch zentral: Hier wird weiterhin produziert, geprüft und für wichtige Märkte ausgeliefert. Dass ein globales Unternehmen in einer 13.000-Einwohner-Stadt verwurzelt bleibt, war einer der stärksten Befunde dieses Praxistags.

Stadtmarketing als Beziehungsarbeit

Diese industrielle Stärke prägt natürlich auch das Selbstverständnis der Stadt. Axel Dobrowolny, Geschäftsführer des Stadtmarketing Weiz, skizzierte den Weg vom Claim „Die Stadt voll Energie“ hin zur „Stadt zum Leben“. Zugleich wurde klar: Auch Weiz ist von Veränderungen im Handel betroffen. Ein hoher Filialisierungsgrad, fehlende Betriebsnachfolgen und neue Konsumgewohnheiten verändern die Innenstadt.

Stadtmarketing wird damit zur Beziehungsarbeit: Es gilt, Bewusstsein zu schaffen, Industrie, Handel, Verwaltung, Kultur und Bevölkerung miteinander im Gespräch zu halten und den Blick auf eine gemeinsame Vision für die nächsten 10 bis 15 Jahre zu richten. Dass Stadtmarketing und Händlerschaft in Weiz gut zusammenspielen, zeigte auch der Austausch von Axel Dobrowolny mit Petra Friedrich und Richard Bleykolm von der Unternehmervereinigung „Einkaufsstadt Weiz“. Am Beispiel der Weiz-Card wurde deutlich, wie Kaufkraft regional gebunden und lokale Kreisläufe gestärkt werden können.

PT Weiz 1 (c) R Schrank
Praxistage wie der in Weiz sind ein Format des Dachverband Stadtmarketing Austria. Erfahrungen teilen, Best Practices herzeigen ist die Kernidee (c) Reinhold Schrank

Lernen am konkreten Beispiel

„Praxistage leben davon, dass Mitglieder ihre Erfahrungen teilen und andere davon profitieren können“, sagt Michael Gsaller, Präsident des Dachverbands Stadtmarketing Austria. „Weiz zeigt, dass Industrie Teil eines lebendigen Lebensraums sein kann, wenn Akteure im Gespräch bleiben, Synergien nutzen und gemeinsam Verantwortung für den Standort übernehmen.“

Der Praxistag Weiz fand im Rahmen des Jahresthemas „Lebensraum“ statt. Mit diesem Schwerpunkt rückt der Dachverband Stadtmarketing Austria die Frage in den Mittelpunkt, wie Städte und Ortszentren als wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lebensräume gestärkt werden können.

 

Pressetext & Pressefotos hier zum Download.

Jetzt Mitglied werden

Warum sich bereits mehr als achtzig Standorte in Österreich als Mitglieder beim Dachverband Stadtmarketing Austria austauschen?

Weil wir gezeigt haben, dass „Miteinander“ mehr bringt. Im Miteinander machen Sie für Ihren Standort das Mögliche zum Machbaren. Wir unterstützen Sie dabei mit Know-how, das sich in der Praxis bewährt hat, mit Weiterbildung, die neue Perspektiven eröffnet sowie mit Erfahrungsaustausch, der Sie in Ihrer Rolle stärkt.

Formen Sie aktiv die Zukunft des Stadtmarketings!

Werden Sie Teil unserer dynamischen Gemeinschaft und nutzen Sie unsere vielfältigen Angebote zur fachlichen Weiterentwicklung und Einflussnahme.