
Denkwerkstadt 2026 Beteiligung: Die Stadt wären alle – Vom blinden Fleck des Urbanismus | Steyr
11.10.2026– 14.10.2026

11.10.2026– 14.10.2026
Termin: 11. bis 14. Oktober 2026
Ort: Museum Arbeitswelt, Steyr (OÖ)
Zur 15. Jubiläumsausgabe der Denkwerkstadt beschäftigen wir uns mit dem Kern dessen, was Städte – und damit unsere Arbeit – ausmacht: Mit der Idee des Urbanismus und der gesellschaftlichen Beteiligung, die daraus erwächst.
Denn Urbanität war in ihrer Grundlogik kein räumliches Prinzip. Sie war vielmehr eine kulturelle Praxis bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. Öffentliche Rolle, kulturelle Praxis, Ästhetik statt reine Funktion. Das sind die Codes, die unsere Arbeit prägen. Aber sie sind nicht neutral.
Denn was ist mit jenen, deren Lebenswelt anders funktioniert? Die sich über Betrieb, Gewerkschaft, Verein, Stammtisch organisieren. Die zum Fußballturnier gehen statt zum Literaturfestival. Die sich in halbprivaten Gemeinschaftsräumen verorten, wo andere Podiumsdiskussionen besuchen. Wenn Städte heute von »Begegnung«, »Gemeinschaft« und »Demokratie« sprechen, stellt sich eine strukturelle Frage: Wie demokratisch ist eine Stadtöffentlichkeit, die nicht alle Lebenswelten gleichermaßen anspricht?
Die Denkwerkstadt 2026 führt uns nach Steyr. Ins Museum Arbeitswelt. Ein Ort, der diese Frage verkörpert. Wir wollen diskutieren, ob Stadtmarketing – oder die Idee des Urbanismus selbst – einen blinden Fleck besitzt. Ob wir in den letzten Jahrzehnten zu sehr aus einer bestimmten Milieulogik heraus gedacht haben. Und wie wir künftig als Beziehungs- und Netzwerkorganisation der Stadtgesellschaft arbeiten können, die tatsächlich alle urbanen Lebenswelten berücksichtigt.
Dabei geht es nicht darum, die Kraft unserer historischen Altstädte infrage zu stellen.
Wir wollen vielmehr überlegen, wen wir derzeit erreichen. Und wen nicht.
Aber vor allem: Warum? Und können beziehungsweise müssen wir daran überhaupt etwas ändern?

Die Kultur- und Sozialanthropologin Bettina Ludwig ist Keynote-Speakerin, Unternehmerin und freie Wissenschaftlerin. Sie betreibt unabhängige Forschung auf dem Fachgebiet der Jäger-Sammler:innen-Forschung. Für ihre Arbeit mit den JuʼHoansi San in der Kalahari-Wüste Namibias erhielt sie den Rupert-Riedl-Preis. Aus ihren Begegnungen mit Jäger- und Sammlergesellschaften wird sichtbar, wie tief unsere Vorstellungen vom Menschen kulturell geprägt sind.
Impulsvortrag
Eigentum, Zeit, Arbeit, Individualität oder Gemeinschaft erscheinen uns zwar selbstverständlich, sind es aber nicht. Bettina Ludwig zeigt, dass viele vermeintliche Konstanten menschlichen Zusammenlebens lediglich Ergebnisse einer bestimmten kulturellen Entwicklung sind. Gerade diese Erkenntnis eröffnet einen neuen Blick auf unsere Städte: Welche Annahmen über den Menschen schreiben wir in unsere Räume, unsere Institutionen und unsere Formen der Beteiligung ein? Und was geschieht mit jenen, deren Lebenswelt auf anderen kulturellen Logiken beruht?

Constanze Wolfgring, PhD, ist Stadtplanerin und Historikerin. Sie promovierte 2024 in Urban Planning, Design, and Policy am Department für Architektur und Stadtforschung (DAStU) des Politecnico di Milano mit einer Dissertation zur Regeneration des öffentlichen Wohnbaus in Italien, wo sie derzeit als Postdoktorandin in den Projekten UAH! – Unconventional Affordable Housing und ReHousIn – Reducing Housing Inequalities tätig ist. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u.a in der Stadterneuerung, ökologischen Transition und sozialen Ungleichheiten, mit besonderem Fokus auf leistbare und innovative Wohnmodelle. Sie ist Ko-Herausgeberin mehrerer Publikationen, darunter New Social Housing. Positions on IBA_Vienna 2022 (Jovis, 2020) sowie Unconventional Affordable Housing. Projects, Practices, Policies (2025).
Impulsvortrag
Stadtutopien erzählen nicht nur, wie wir uns die Zukunft ausmalen, sondern vor allem etwas über die Gegenwart und darüber, welche Gesellschaft wir uns wünschen. Von der Gartenstadt bis zur Smart City spiegeln sie Werte, Hoffnungen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Konflikte ihrer Zeit. Constanze Wolfgring zeigt, warum Utopien – und, mehr noch, das Utopisieren als Methode – dabei helfen können, neue Möglichkeitsräume zu eröffnen und die Realität konstruktiv weiterzuentwickeln.

Robert Misik ist Journalist und Autor. Er war Korrespondent des Nachrichtenmagazins »profil« und arbeitet seit rund 25 Jahren als freier Autor. Unter anderem für den »Falter«, die »Zeit«, oder die »Neue Zürcher Zeitung«. Er ist Autor mehrerer Sachbücher. Z.B. Genial dagegen (2005), Glanz und Elend der Kommerzkultur (2007), Ist unsere Politik noch zu retten? Auswege aus der Wutbürger-Sackgasse (2013) oder Die falschen Freunde der einfachen Leute (2019).
Impulsvortrag
Gesellschaften zerfallen heute nicht nur politisch, sondern auch kulturell in unterschiedliche Lebenswelten. Mediennutzung, Werte, Sprache und Alltagserfahrungen entfernen sich zunehmend voneinander. Robert Misik analysiert diese Entwicklung und fragt, welche Folgen sie für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat. Was bedeutet Öffentlichkeit, wenn immer weniger Menschen dieselben Orte, Themen und Erzählungen teilen?
Reinhard Kaufmann beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte und Gegenwart von Steyr. Sechs Jahre war er Stadtrat für Mobilität und Umwelt in Steyr. Er ist Autor verschiedener Stadtführer über Steyr und war aktiv bei den Protesten zum Erhalt des Wehrgrabens beteiligt.
Museum Arbeitswelt. Untergebracht in zwei ehemaligen Fabrikgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, zählt das Museum Arbeitswelt nicht nur als erstes Arbeitsmuseum in Österreich, sondern hat sich seit seinem Bestehen zu einem international renommierten Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum etabliert. Es wurde 1987 im Rahmen der oberösterreichischen Landesausstellung »Arbeit Mensch Maschine« eröffnet. Der Wehrgraben, auf dem auch das Museum Arbeitswelt steht, sollte 1972, als das letzte Kraftwerk stillgelegt worden war, zugeschüttet werden, um das Gelände für Wohnbau zu nutzen. Es bildete sich die Bürgerinitiative »Rettet den Wehrgraben«. 1983 wurde das Projekt endgültig verworfen.
Web: https://museumarbeitswelt.at/
Alle Programmdetails und Informationen werden direkt an unsere Mitglieder per Mail versendet.
Anmeldung bis 15. Juli 2026 unter info@stadtmarketing.eu
Warum sich bereits mehr als achtzig Standorte in Österreich als Mitglieder beim Dachverband Stadtmarketing Austria austauschen?
Weil wir gezeigt haben, dass „Miteinander“ mehr bringt. Im Miteinander machen Sie für Ihren Standort das Mögliche zum Machbaren. Wir unterstützen Sie dabei mit Know-how, das sich in der Praxis bewährt hat, mit Weiterbildung, die neue Perspektiven eröffnet sowie mit Erfahrungsaustausch, der Sie in Ihrer Rolle stärkt.
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