Seit 2004 wird in der Welser Innenstadt an zwei Zähllinien in den beiden Fußgängerzonen Bäckergasse und Schmidtgasse mittels einer videogestützten Anlage die Passantenfrequenz gemessen. Die Anlage ist von Montag bis Sonntag, 24 Stunden täglich in Betrieb und liefert stundengenaue Ergebnisse, und das seit mittlerweile 7 Jahren. Die gewonnenen Daten werden regelmäßig online von den Standorten abgerufen und mit einer speziellen Verarbeitungssoftware aufbereitet. Es ist möglich die Daten sowohl als Exelsheet als auch graphisch darzustellen, die Betrachtungszeiträume können flexibel gewählt werden (nach Stunden/Tagen/Wochen etc.).
Gerade im Bereich Frequenzaufkommen ist die Betrachtungsweise der handelnden Personen sehr subjektiv. Aussagen zu den gleichen Frequenzen wie: „Heute war aber viel los“ bis „die Stadt war heute wieder besonders leer“ oder “ letztes Monat waren bedeutend mehr Besucher in der Stadt“ , sind immer wieder zu hören.
Um diese subjektiven Aussagen auf eine diskutierbare Ebene zu bringen, benötigen Stadtmarketingorganisationen verlässliches Datenmaterial. Diese Daten können nur durch eine permanente Frequenzmessung gewonnen werden.
Die Passantenfrequenzen beeinflussen maßgeblich die Umsätze der ansässigen Betriebe. Ebenso sind diese Daten Grundlage für den Erfolg oder Misserfolg von Veranstaltungen, welche über das Jahr hinweg in der Innenstadt organisiert werden.
So kann die Sinnhaftigkeit mancher Events hinterfragt werden, und über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, ob das Event noch die benötigten Besucher anzieht, oder ein schleichender Rückgang eingesetzt hat. Dadurch kann frühzeitig an neuen Konzepten gearbeitet werden, welche bei Bedarf die „Alten“ rechtzeitig ersetzen.
Die permanente Messung über Jahre ermöglicht es punktgenau Veränderungen im Frequenzaufkommen und -verlauf festzustellen. Fragen wie „Kommen am Samstagnachmittag mehr Menschen in die Innenstadt, als unter der Woche“, oder „Wann erwacht die Stadt?“ können damit beantwortet werden. So konnte festgestellt werden, dass in den letzten Jahren die Besucherfrequenz speziell zwischen 8 Uhr und 10 Uhr morgens signifikant gesunken ist. Die Erkenntnisse werden den Handelsbetrieben zur Verfügung gestellt, und diese können darauf reagieren.
Auch in der Standortberatung für neue Geschäfte sind die gemessenen Kontakte oft entscheidend für eine Ansiedlung und für die Gestaltung der Öffnungszeiten. Auch für die Immobilieneigentümer sind sie Grundlage zur Gestaltung der Mietpreise, sowohl nach oben als auch nach unten.
Die bisher gewonnenen Daten über Jahre ermöglichen Vergleiche die sonst nicht möglich sind. Wie verändert sich die Wochen-, Tages- oder Monatsfrequenz. Wie wirken sich Veranstaltungen auf die Frequenz aus. Zu welcher Tageszeit sind besonders viele Menschen in der Stadt unterwegs. Macht es Sinn über Mittag seinen Laden offenzuhalten, oder kann eine Mittagssperre ohne Umsatzverlust eingeführt werden.
Die Ansiedlung von großflächigen Handelsagglomerationen an den Stadträndern gingen nicht spurlos an den Innenstädten vorbei. Mittels der permanenten Frequenzmessung konnte der Frequenzverlust in der handelsrelevanten Zeitspanne quantitativ erfasst werden, und die politischen Entscheidungsträger überzeugt werden, die Anstrengungen für die Innenstadt zu intensivieren.
Das genannte Beispiel zeigt, dass nicht die gemessene quantitative Zahl maßgeblich ist, viel interessanter ist die Veränderung zur verglichenen Basis.
Auch der Verlauf (Tag/Woche/Monat) der gemessenen Frequenzen bildet eine Grundlage für Entscheidungen, wann Veranstaltungen sinnvoll sind. Da auch festgestellt werden konnte, dass Großveranstaltungen im kulturellen Bereich wenig bis keine Auswirkungen auf den Handel haben, eher sogar die Umsätze negativ beeinflussen, wäre es kontraproduktiv solche Veranstaltungen terminlich so anzusetzen, wenn die Stadt aufgrund des handelsspezifischen Frequenzaufkommens bereits „voll“ ist. Im Gegenzug können „schwache Zeiträume“ mit handelsbezogenen Events gestärkt werden, wie zum Beispiel Märkten aller Art, speziellen Handelsevents oder branchenübergreifenden Gewinnspielen.
Die Arbeit mit den Frequenzzahlen ist keine Arbeit, welche nebenbei erledigt wird, es bedarf eines grundlegenden Fachwissens, um aus den gewonnenen Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Frequenzmessung sollte in allen Städten zur Chefsache erklärt werden. Eine unreflektierte Weitergabe der Daten an Dritte ist zu vermeiden, da es auf viele Einflussfaktoren ankommt, welche dem Betrachter oft nicht bekannt sind.
Die Frequenzmessung ist eine rein quantitative Aufnahme, eine Antwort auf die Zusammensetzung der Frequenz liefert sie nur, wenn die Handelsbetriebe bereit sind, ihre Umsatzentwicklungen bekanntzugeben. Damit können Abschöpfungsanalysen erstellt werden, und weitere wichtige Daten für das Marketing generiert werden.


