Praxistag in Ried: Geschäftsflächenmanagement oder „Wenn die Innenstadt auf ihre Muse trifft“

06.02.2018
Wirtschaft

Start-up-Ried

Ein Nachbericht von Daniela Krautsack, MBA, Urban Branding Expertin und Trendforscherin (Wien)

Der erste STAMA Austria-Praxistag 2018 hat so viele TeilnehmerInnen wie niemals zuvor willkommen geheißen. Alle wollten hören, wie die Muse aussieht, die Enns, Ried und Ingolstadt wach küsst.

Es sind Beispiele, die auf den ersten Blick keine Innovationsraketen sind, aber viel Engagement und Substanz und deshalb Strahlkraft beweisen. Roland Murauer, CIMA, analysiert: „Die Veranstaltung war schon deswegen interessant, weil die Vortragenden genau den Zahn der Zeit getroffen haben“.

Murauer fügt fort: „Es hat sich gezeigt, dass nicht nur junge Citymanager gekommen sind, sondern auch alte Haudegen, die durchaus etwas in der Sache zu sagen haben und sich trotzdem informierten.
Denn wir alle sind jetzt quasi zur Erkenntnis gelangt, und das war in der allgemeinen Schlussdiskussion die Quintessenz der Veranstaltung, dass das Stadtmarketing mehr und mehr in die Rolle eines Antreibers, eines Motors, ja eines Initiatiors von innovativen Standortentwicklungsmaßnahmen kommen muss.“

 

StadtUP Ried

Ried im Innkreis ist das wirtschaftliche Zentrum des Innviertels. Um seine Position als Top 5 Shopping-Destination halten zu können, beschreitet die 11.000 EinwohnerInnen große Stadt nun alternative Wege im Bereich der Innenstadt-Standortvermarktung.

Im Gegensatz zu vielen bisherigen – fragwürdig erfolgreichen – Fördermodellen setzt „StadtUP Ried“ auf marketingtechnische Förderung und Begleitung von BetriebsgründerInnen. Gerade im Verlauf des ersten und zumeist schwierigen Startjahres brauchen JungunternehmerInnen fachliche Unterstützung von ExpertInnen, die oft nicht nur ihr Wissen, sondern auch die Schatztruhe wichtiger Netzwerk-Kontakte öffnen.

Im Zuge eines Bewerbungs- und Auswahlverfahrens durch eine Fachjury werden die besten Unternehmenskonzepte mit Coaching durch „business angels“ prämiert. Der Unternehmer erlernt die wichtigsten strategischen Grundberatungen der Geschäftsführung.
Durch das laufende themenspezifische Coaching, wertvolle Standortanalysen, Marketing- und Medienstartpakete, sowie einen Online-Auftritt und Steuer- und Rechtsberatungsleistungen, beträgt der Wert der Unterstützungen einen Betrag von ca. 100.000 Euro.

ZUR PRÄSENTATION

Max Homolka, Geschäftsführender von Tourismus und Stadtmarketin der Stadt Enns erzählt: „Ich habe am Praxistag von unserer Initiative des ’neuen Ennsers’ berichtet. Es handelt sich dabei um eine digitale Persönlichkeit, die wir geschaffen haben. Der neue Ennser gibt jede Woche Tipps, wo in Enns die Post abgeht. Er berichtet über Geschäftseröffnungen, Veranstaltungstipps und besucht UnternehmerInnen, die von ihrem Produktportfolio berichten.

Käme er in Videoform, würden wir ihn Dokusoap nennen. Ein sympathischer Zeitgenosse, der den Leuten in subtiler Werbesprache aus seinem Leben erzählt, während er am Sonntag morgen auf Eiersuche und die Woche darauf auf Wohnungssuche geht. Durch die virtuelle Figur lernen die Ennser jede Woche ein Highlight ihrer Stadt kennen.“

(c) Rafael Haslauer

ZUR PRÄSENTATION

 

Innenstadtbelebung Ingolstadt

„Das Cityfreiraum-Projekt aus Ingolstadt ist ein gelungenes Beispiel für eine zeitgemäße Belebung der Innenstadt. Dadurch lassen sich Angebotslücken schließen, der Branchenmix erweitern und vor allem Leerstände füllen, so Judith Gebhart, Geschäftsführerin IN-City e.V.“.
Bei der Existenzförderung durchlaufen die GründerInnen verschiedene Stufen. Sie erhalten bei einer positiven Gremiumsentscheidung Unterstützung bei der Ideenfindung, der Suche nach Räumlichkeiten, Miet- und Werbekosten.

Das Projekt gibt es mittlerweile seit knapp 5 Jahren in Ingolstadt und konnte bereits 22 positive Gremienentscheidungen und 18 erfolgreiche Existenzgründungen hervorbringen. Dabei reicht die Bandbreite von Tattoos und Skateboards über Streichinstrumente und Malkurse bis hin zum Optiker oder Fahrrad-Reparaturcafé.

Cityfreiraum eignet sich als Beispiel für erfolgreiches Leerstands-Management, da es sich leicht auf andere Städte übertragen lässt. Es stellt eine gute Zusammenarbeit zwischen städtischer Wirtschaftsförderung, dem Gründerzentrum und dem Stadtmarketingverein dar.
Es unterstützt Menschen mit kreativen und neuen Ideen (siehe UnternehmerInnen-Beispiele nachfolgend) und bietet ihnen die Möglichkeit, diese in der Ingolstädter Innenstadt umzusetzen.

(c) Cityfreiraum-Projekt Ingolstadt

ZUR PRÄSENTATION

 

Förderung für Individualität

Wir wollen zudem von Roland Murauer wissen, was das Außergewöhnliche der ’neuen‘ Fördermodelle sei. Murauer erklärt: „Wir müssen vor allem darauf setzen, dass wir JungunternehmerInnen fördern, die das individuelle Gesicht einer Stadt ausmachen und nicht more of the same anbieten.“ Man böte keine Förderungen in Form von Cash, sondern in Form von ExpertInnen-Unterstützung an.

 

Murauer: „Wir setzen dort an, wo JungunternehmerInnen im ersten schwierigen Bestandsjahr Hilfestellungen brauchen. Das heißt, wir unterstützen diese Jungunternehmen dort, wo sie das Geld nicht haben bzw. das Geld haben, aber trotzdem sparen. Das sind zum Beispiel Beratungsleistungen.

Wir stellen ihnen einen Business Angel zur Verfügung, der sie in der Anfangsphase und im ersten Jahr begleitet. Weiters stellen wir ihnen ein Marketing-Startpaket zur Verfügung mit einer professionellen, mittelgroßen Werbeagentur.
Diese macht auch strategische Beratung und Positionierung. Das sind Leistungen, die das Stadtmarketing bezahlt. Und dann stellen wir sicher, dass wir ein lokales Netzwerk von Partnern aufbauen, mit denen wir die JungunternehmerInnen vernetzen.“

Das Szenario einer Innenstadt mit viel Leerstand und wenig Flaneuren auf der Strasse könnte vor allem in kleinen und mittelgroßen Städten Österreichs Wirklichkeit werden. Aussterben wird die Innenstadt nicht, solange es Restaurants, Cafés, Museen und Kinos gibt.

Vielleicht sind es ja nicht nur die bekannten Online-Händler, die plötzlich in großem Ausmaß in den stationären Handel investieren. Das würde die Zentren unserer Kleinstädte ja nicht retten, weil die großen Online-Filialen, wie Amazon da eröffnen, wo ihre Zielgruppe wohnt, nämlich in größeren Städten. Aber vielleicht sind es kleinere Online-Händler, wie mymuesli.com, die mithelfen, totgesagte Innenstädte neu zu beleben.

(c) mymuesli.com

 

Mieten statt kaufen?

Vielleicht lautet das Geschäftsmodell der Zukunft für den Handel aber auch das, was Trendforscher seit 10 Jahren predigen. Kaufen ist von gestern; Mieten ist der heiße Scheiß. Wie das der Elektrofachhändler MediaMarktSaturn im Sinne seiner Multichannel-Strategie nicht nur online sondern auch im stationären Geschäft anbietet. Dort werden ausgewählte Elektronikprodukte verliehen. Erhältlich sind ausschließlich Neugeräte.

Das Angebot reicht von Tablets über Smartphones, Actioncams und WLAN-Lautsprechern bis hin zu Spielekonsolen und VR-Brillen. Die KundInnen profitieren von der Flexibilität und Transparenz des Angebots.

Es soll faire Konditionen geben, eine Mindestlaufzeit von nur einem Monat sowie eine Kaufoption für alle zur Miete verfügbaren Produkte. Try before you buy; ideal für KonsumentInnen, die bei technischen Neuprodukten nicht die Katze im Sack kaufen wollen.

 

(c) Mediamarkt Saturn

 

 

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Daniela Krautsack

Ausgebildete Media-Strategin und Media-Managerin, Trendforscherin

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